In Brakel ist „Annentag“ die fünfte Jahreszeit
Höhepunkt war die Prozession
Brakel. Seit über 500 Jahren wird die heilige Mutter Anna in der St.-Michael-Gemeinde von Brakel verehrt. Jährlich findet ihr zu Ehren „Annentag“ statt, seit rund 230 Jahren auch verbunden mit einer Kirmes. Der DOM hat die religiösen Wurzeln des Festes bis in die Gegenwart verfolgt.
Bereits neun Wochen vor Annentag begannen an der Annenkapelle die Annennovenen. Hierhin, wo Gläubige sich bereits seit mehr als 500 Jahren zum Gebet versammeln, strömten an jedem der neun Dienstage vor Annentag, wenn die kleine Glocke der Kapelle ertönte bis zu mehrere Hundert Menschen um gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Jede dieser Messfeiern hatte eine andere Intention: es wurde unter anderem für die Gemeinden im Pastoralverbund, für Kinder und Jugendliche, für Familien, für Kranke, für den Frieden in der Welt gebetet.
Am Donnerstag vor Annentag trafen sich die Christen aller Konfessionen Brakels zu einem gemeinsamen Bittgang am Bildstock in der Nähe der Annenkapelle. Nach einer kurzen Begrüßung durch Pfarrer Wilhelm Koch und Pfarrerin Annette Düpree ging es dann mit Gesang zur Kapelle, wo ein kurzer Wortgottesdienst stattfand. Er stand in diesem Jahr unter dem Motto des Katholikentages: „Du führst mich hinaus ins Weite“. Dabei wurde unter anderem betont, dass mit Weite nicht unbedingt eine große Entfernung gemeint ist, sondern dieses Weite den Weg zum Nächsten bedeuten kann.
Den Höhepunkt des kirchlichen Annentages bildeten dann am Sonntag die Prozession und die Messfeier an der Annenkapelle. Zunächst einmal ging es unter Gesang von der Pfarrkirche St. Michael zur Annenkapelle. Mit dabei waren Fahnenabordnungen der Verbände und Vereine, der Hilfsorganisationen, Chorgemeinschaften, Schützen sowie die lebensgroße Figur der Mutter Anna, wie sie auf einem Stuhl sitzend der neben ihr stehenden Maria die Schrift lehrt. Doch nicht alle Gläubigen konnten den Prozessionsweg auf sich nehmen und so wurden die Ankommenden von einer weiteren großen Schar Menschen an der barocken Annenkapelle am Rande der Stadt erwartet. Hier begann nun mit etwas 2 500 bis 3 000 Gläubigen der Gottesdienst, der allen eindrucksvoll zeigte, dass Annentag nicht nur Kirmes bedeutet, sondern einen christlichen Ursprung hat.
Wie in jedem Jahr war auch in diesem Jahr wieder ein Festprediger nach Brakel eingeladen worden. Es war Monsignore Alois Schröder, Bundespräses im Kolpingwerk Deutschland. Extra aus Köln war er an diesem Morgen angereist, aber er tat es nach eigener Aussage gern und war gern bereit, einen anderen Termin deshalb abzusagen, denn schließlich habe er gehört, „dass es in Brakel und überhaupt im Weserbergland Orte gebe, an denen man gratis auftanken könne“. Dies sei vielen Menschen jedoch gar nicht bekannt und würde viel zu wenig genutzt. Dabei könne man seinen Durst an der Kirche stillen, die wie ein Brunnen im Mittelpunkt des Ortes sei. Zwar stellte er fest, dass immer weniger Menschen dorthin kämen, weil es zu viele andere Freizeitangebote und damit scheinbare „Wasseranbieter“ gäbe, doch hätte gerade das Wasser, welches der Brunnen Kirche anböte eine besondere Tiefe und Qualität, da es auf Jesus Christus zurückginge. Besonders wichtig sei für die Kirche heute, nicht über den Brunnen zu wachen und nur die zur Gemeinde gehörenden zuzulassen, sondern alle einzuladen und offen zu sein für alle. Und so erzählte er eine kleine Legende: Jesus wurde nach seiner Himmelfahrt von Engeln gefragt: „Herr, wer soll sich jetzt um deine Kirche kümmern?“ Darauf antwortete er: „Ich habe doch meine Jünger.“ „Aber die sind so schwach und machen viele Fehler. Hast du keinen anderen Plan?“ „Nein, einen anderen Plan habe ich nicht.“ Dies sei doch beruhigend und zeige, wie viel Vertrauen Jesus in uns Menschen, in jeden einzelnen setze, fügte Monsignore Schröder am Ende an.
Nach dieser Messfeier zog dann die Prozession wieder zurück zur Pfarrkirche, wo der eucharistische Segen erteilt wurde. Anschließend ertönte wie in jedem Jahr mehrmals mit Orgel und Blasinstrumenten der Annentusch, den Werner Bornefeld-Ettmann vor einigen Jahren komponierte.
Anschließend trafen sich alle zu einem Ausklang mit vielen Begegnungen und Gesprächen im Pfarrgarten.
Inzwischen bereiteten fleißige Helfer aus dem Förderverein des Michael-Kindergartens nebenan das Annentagscafé vor. Hier, in und vor der Altentagesstätte, konnten sich Kirmesbesucher bei Kaffee und Kuchen ein wenig abseits vom Kirmestrubel ausruhen und gleichzeitig etwas Gutes tun, denn der Erlös des Cafés ging in diesem Jahr an den katholischen Kindergarten St. Michael.
Wer wollte, konnte sich aber auch noch anders stärken: In der Kirche und auch in der Annenkapelle, die beide den gesamten Nachmittag für Gebete offen standen. Zusätzlich standen hier hilfreiche Kirchenführer bereit, die allen Interessierten Fragen beantworteten.
Während der weltliche Teil des Annentages bereits am Montagabend mit einem Feuerwerk offiziell endete, endete der kirchliche Teil erst am Dienstag nach Annentag. Wieder folgten viele Gläubige dem ruf der Glocke an der Annenkapelle und kamen zu einem Dankgottesdienst zusammen, der wie der erste Gottesdienst der Annennovene und der Festgottesdienst am Sonntag von der Stadtkapelle mitgestaltet wurde. Dieser Messfeier folgte dann ein gemütlicher Ausklang mit Schnittchen, Getränken und vielen Gesprächen. Am Ende waren sich dann alle einig: Im nächsten Jahr sind wir wieder dabei!
Rita Mertens




