Aktuelle Ausgabe
2012-20

„Haus der Freundschaft“ zeigt Wege aus dem Ghetto

Hilfe für Straßenkinder

Im „Haus der Freundschaft“ bekommen die Kinder vielfältige Hilfe von der Caritas – von Schuhen bis Schulmaterial.

Witten. Der ehemalige Vize-Bürgermeister Jürgen Dietrich und  Caritas-Geschäftsführer Hartmut Claes sind beide bekennende Osteuropa-Freunde. Während Dietrich intensive Kontakte in Wittens Partnerstadt Kursk pflegt, fährt Claes seit 21 Jahren nach Rumänien. Beide waren jetzt in Siebenbürgen und haben in der rumänischen Stadt Satu Mare ein Wohnviertel besucht, das in der Stadt zurecht als Ghetto verschrien ist. Sie wollen die Caritasarbeit dort unterstützen. 

„Treppenhäuser mit zersplitterten Fensterscheiben, keine Gas- und Wasserversorgung, stattdessen ragen aus vielen Fenstern provisorische Ofenrohre, deren Rauch die darüber liegenden Wände und Wohnungen schwarz färben“, beschreibt Claes den tristen Anblick. In den ehemaligen Arbeiterheimen aus kommunistischer Zeit leben heute Großfamilien in einem Zimmer eng beisammen.

Dieser Wohnblock ist das Zuhause vieler Kinder, die in dem Ghetto keine Chance auf Bildung und Beruf haben. Neben dem krankmachenden Umfeld kommt noch das Fehlen von positiven Vorbildern hinzu. „Die Banken- und Wirtschaftskrise hat Rumänien besonders hart getroffen. Viele der Eltern haben ihren ohnehin schon schlecht bezahlten Arbeitsplatz verloren und können den Kindern jetzt kaum eine Perspektive bieten“, weiß Jürgen Dietrich.

Nur wenige Meter von diesem Ghetto entfernt hat der dortige Caritasverband das „Haus der Freundschaft“ gegründet. Hier erlernen Kinder aus dem Wohnblock und elternlose Straßenkinder elementare Dinge wie Hygiene, Körperpflege oder Nahrungsaufnahme. Das Gebäude bietet den Kindern eine Chance, sich zu duschen oder ihre Kleidung zu waschen.

Bis zu 60 Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren werden dort regelmäßig verpflegt und pädagogisch betreut. Voraussetzung für die Teilnahme an den Aktivitäten ist allerdings der regelmäßige Schulbesuch. „Nur wer auch zur Schule geht, kann an der Gemeinschaft des Hauses teil nehmen“, so Claes. Die Kinder werden entsprechend ihrer Fähigkeiten gefördert und auf ein unabhängiges Leben als Erwachsene vorbereitet.

Aber auch die Eltern werden in die Arbeit mit eingebunden. Für sie gibt es regelmäßige Informations- und Beratungstreffen. Da die Familien völlig mittellos sind, muss auch das Schulmaterial wie Hefte, Tornister und Stifte von der Caritas angeschafft und an die Kinder verteilt werden.

Mit einem ähnlichen pädagogischen Konzept hatte die Caritas Satu Mare vor 20 Jahren einen Kindergarten in einer Roma-Siedlung eröffnet. Einige dieser Kinder konnten tatsächlich den Teufelskreis durchbrechen und haben im letzten Jahr ihr Abitur gemacht.

Jürgen Dietrich und Hartmut Claes möchten deshalb die dortige Caritasarbeit unterstützen und bitten um Spenden auf das Konto 62 042 bei der Sparkasse Witten (BLZ 452 500 35), Stichwort: Straßenkinder. Weitere Informationen bei Hartmut Claes, Tel. 0163/6 78 59 61.


23.05.2012
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