Aktuelle Ausgabe
2012-20

Generalversammlung des Malteserordens in Paderborn

„Hilfe den Bedürftigen“

Auch Frauen gehören zum Malteserorden, der an diesem Wochenende in Paderborn seine diesjährige Generalversammlung abhält. Foto: Malteser

Eine Tradition von mehr als 900 Jahren kann sehr lebendig sein. Den Beweis treten an diesem Wochenende die Malteser in Paderborn an. Dann tagt hier die diesjährige Generalversammlung der Deutschen Assoziation des Souveränen Malteser-Ritterordens. Gleichzeitig findet die Diözesanversammlung des Malteser Hilfsdienstes der Erzdiözese in Paderborn statt. 

Der Malteser Hilfsdienst e.V. (MHD) ist das wichtigste weltliche „Werk“ des Ordens. Mit 5 600 ehrenamtlichen Helfern in 37 Ortsgliederungen ist der MHD einer der großen karitativen Träger im Erzbistum – ganz im Sinne des Ordens, der Glauben und soziales Wirken seit seinem Beginn als eine Einheit  sieht. „Tuitio fidei et obsequium pauperum: Wahrung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen“ lautet sein Leitspruch seit der Gründung.
Dieses Motto wird ab Samstag auch für die elf „Herren“, sechs „Damen“ und zwei Priester verbindlich werden. Der Präsident der deutschen Ritter und Ordensdamen, Dr. Erich Prinz von Lokbowicz, nimmt sie im Paderborner Dom in die Reihen des Ordens auf. Unter den neuen Mitgliedern ist Pfarrer Johannes Kudera aus Salzkotten-Thüle.
600 Mitglieder zählt die deutsche Assoziation des Ordens, mehr als 12 000 weltweit. Gut 900 Jahre nach seiner Gründung während der Kreuzzüge im Heiligen Land besteht er immer noch aus einem religiösen Kern aus Rittern, die Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam geloben. Einer der Professritter ist der Großmeister, der von Rom aus die Geschicke des Ordens lenkt.
Anders als die längst aufgegebenen militärischen Aufgaben ist der medizinisch-karitative Einsatz des Malteserordens sein Wesensmerkmal geblieben. Das Hilfswerk Malteser International hat im vergangenen Jahr über acht Millionen Menschen weltweit erreicht und ist momentan mit erheblichen Mitteln in Burma engagiert. In Deutschland gehören Krankenhäuser, Altenhilfeeinrichtungen, ein kirchliches Gymnasium, Betreuungseinrichtungen für Asylbewerber, der Familienhilfe sowie der Jugend- und Drogenhilfe zum Malteser-Verbund.
Der Orden selbst ist auch sozial aktiv. Über den  Lourdes-Krankendienst organisiert die deutsche Assoziation jährlich 15 Krankenzüge in den südfranzösischen Wallfahrtsort. Die Jugendkommission der Assoziation organisiert Einkehrtage und Feriencamps für behinderte Jugendliche im Ausland.
Die Mitglieder des Ordens und des Malteser Hilfsdienstes aus dem Erzbistum nehmen am Samstag gemeinsam am Pontifikalamt im Hohen Dom statt. Anschließend  besteht im alten Kapitelsaal neben dem Dom die Möglichkeit der Traditionspflege. Dort wird eine Ausstellung des Fördervereins Melitensia zur Geschichte von Orden und Hilfsdienst zu sehen sein.
Danach allerdings trennen sich die Wege. Der Diözesanverband führt seine jährliche Versammlung in einem Paderborner Hotel durch, die Generalversammlung des Ordens findet in der Kaiserpfalz neben dem Dom statt.
Für Wolf van Lengerich (36) könnte dann die Frage entstehen, wohin er geht. Er ist seit 2004 Ordensmitglied und seit zwei Jahren Leiter der erfolgreichen MHD-Ortsgliederung Borchen. Orden und Werk sind für ihn zwei Seiten einer Sache. Der Orden allerdings macht das Besondere aus, das auch den Malteser Hilfsdienst von anderen karitativen Verbänden unterscheidet. Die seit den Kreuzzügen lebendige Tradition steht für die Wahrung des christlichen Werteverständnisses. „Ein starker Baum mit tiefen Wurzeln“, sagt er, „wächst auch nicht von heute auf morgen.“
Karl-Martin Flüter


23.05.2012
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