Aktuelle Ausgabe
2012-20

„Rolex“: Caritas-Berater konfrontieren Gymnasiasten mit Geschlechterrollen und Verhaltensmustern

Hilfe beim Einfinden ins Mann-Sein

Rollenspiel in einer der drei Jungengruppen: Auch Dr. Ottmar Goy, Holger Rick von der Caritas-Beratungsstelle Warstein (beide rechts) und Lehrer Jan Müller (hinten links) haben ihren Spaß daran.

Rüthen. „Ich denke, dass sich was verändert hat.“ Noch ist der 15-jährige Joshua sehr vorsichtig, wenn er von seinen Erfahrungen mit „Rolex“ berichtet. Drei sehr aktive „Rollen-Reflexions-Tage“ liegen hinter dem Schüler des Friedrich-Spee-Gymnasiums. Drei Tage, an denen sich die Jungen und Mädchen der 9. Klassen getrennt unter Anleitung eines Betreuer-Tandems mit Geschlechtsrollen und geschlechtsspezifischen Verhaltensmustern auseinandersetzen.  

Auf der Jungenseite werden die drei Gruppen von je einem Lehrer und einem „Externen“ betreut. Die beiden Psychologen Holger Rick und Christian Welzel von der Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder, Warstein, sind dabei die externen Mitarbeiter, der dritte ist Burkhard Pukrop, als Hauptkommisar bei der Polizei zuständig für Vorbeugung. Die drei Mädchengruppen haben in den Lehrerinnen Judith Selzer, Britta Wiegand-Claes und Antje Möllmann kompetente Ansprechpartner.

Rollenspiele, Diskussionen, Gespräche: „Wir helfen beim Einfinden ins Mann-Sein“ verdeutlicht stellv. Schulleiter Dr. Ottmar Goy am Beispiel der Schüler, warum an diesen drei „Rolex“-Tagen die Schulbücher daheim bleiben. Dabei geht es um ganz reelle Erfahrungen: Ist der Kunstunterricht wirklich nur was für Mädchen oder geht es hier um eine relativ schlechte Selbsteinschätzung der Jungen? Das „coole“ Rollenmuster kann nicht verbergen, dass gerade auch in den Jungengruppen ganz dynamische Erkenntnisprozesse ab-laufen. „Man wundert sich, was manche Schüler erkennen, wie sie Gruppenprozesse durchschauen“, so Holger Rick. Nach dem Frühstück, mit dem die Reflexionstage begannen, wurden die „Spielregeln“ festgelegt: Niemand wird für das, was er oder sie sagt, ausgelacht, jeder darf ausreden und alles, was in der jeweiligen Gruppe besprochen wird, bleibt auch in der Gruppe. Nichts dringt nach draußen – da trauen sich auch die Schüler, Fragen nach dem „idea-len Mann“ zu beantworten. 

Es geht um Freundschaften, Gruppenbeziehungen, um den Umgang mit der eigenen Schwäche, es geht um Sexualität und Zukunftsplanung. „Wir wollten Anstöße geben“,  rekapituliert Rick die letzten drei Tage, in denen jedes Mitglied der drei 9. Klassen sich wirklich ganz auf sich selbst, auf seine Erwartungen für die Zukunft und seine eigene Rolle konzentrieren konnte. Da sind viele Denkprozesse angeregt worden. Nicht nur, dass der Unterricht ausfiel, wurde wohlwollend vermerkt. „Ich habe gelernt, was Freundschaft bedeutet“, erklärt der 15-jährige Robin. „Das Beste waren die Spiele als Gruppe, da habe ich mich wohlgefühlt“, steuert Luigi (16) bei, während Dr. Goy meint: „Die Lehrer lernen dabei auch jede Menge.“ 

Vieles haben die beiden Geschlechter gemeinsam, vieles aber wird auch unterschiedlich wahrgenommen. „Gerade für die Mädchen ist die Frage wichtig, wie sie mit dem Erwartungsdruck umgehen, der auf ihnen  lastet“, verdeutlicht Britta Wiegand-Claes. Deshalb hat das Lehrerinnen-Team auch das Thema „Alkohol“ angeschnitten. Erkenntnisgewinn gab es aber auch beim gemeinsamen Filmnachmittag und bei der Frage: „Wie sehe ich mich in 15 Jahren?“


23.05.2012
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