Aktuelle Ausgabe
2012-20

Aktuelle Themen wie „Arbeit“ und „Sexualität“ stießen beim Kirchenfest auf großes Interesse

Heiße Eisen im Haus der Kirchen

Gut besucht waren die Diskussionsveranstaltungen am vergangenen Wochenende im Haus der Kirchen bei der Landesgartenschau.Fotos: Oppitz/KNA

Hemer. Themen, die den Menschen auf den Nägeln brennen, wurden im „Paradiesunddas“ beim „Fest der Kirchen“ auf der Landesgartenschau diskutiert. Ob es um Ökumene ging, Arbeit oder „Sexualität und Kirche“ – immer fanden sich zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer im Haus der Kirchen ein. 

von Matthias Nückel 

„Beim Thema Arbeit entwickelt sich Deutschland in eine ungünstige Richtung“, stellt Katja Hübner, Diözesansekretärin der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB), im Gespräch mit dem Moderator, Pfarrer Dr. Klaus Johanning, fest. Viele Menschen könnten von ihrem Lohn nicht mehr leben. Und dann wird Hübner noch deutlicher: „Deutschland entwickelt sich zum Land von Dumpinglöhnen.“

Dies sei, so sagt sie weiter, eine Herausforderung für die katholischen Sozialverbände. Gemeinsam mit den Gewerkschaften mache sich die KAB für einen Mindestlohn stark. „Wir fordern 9,20 Euro Mindestlohn“, betont Hübner und fügt an: „Selbst das ist noch knapp.“

Als aus dem Publikum die Frage nach der Möglichkeit des Unterlaufens des Mindestlohnes kommt, räumt die KAB-Sekretärin ein, dass es dies immer wieder gibt. So würden in der Reinigungsbranche zwar Mindestlöhne gezahlt, aber so manches Unternehmen verkürze im Gegenzug die Zeit für eine Arbeit.

Ein wichtiges Thema für die KAB ist auch der arbeitsfreie Sonntag. „Wir müssen bei uns selbst anfangen“, betont Hübner. „Wenn ich sonntags selbst zum Bäcker renne und jeden verkaufsoffenen Sonntag mitnehme, kann ich schlecht für den arbeitsfreien Sonntag eintreten“, redet sie den Zuhörern ins Gewissen.

Von der Kirche fordert die KAB-Sekretärin in diesem Zusammenhang ein stärkeres politisches Engagement: „Wir müssen raus aus dem Pfarrheim.“

Mehr Offenheit der Kirchen ist ebenfalls Grundtenor der Diskussion über das Thema „Sexualität und Kirche“. Pater Siegfried Modenbach betont, es sei wichtig, dass die Kirche mit dem Thema Sexualität offen umgehe. „Die menschliche Sexualität ist nicht eine geheimnisvolle Macht, sondern Teil des Alltäglichen“, so der Leiter des Katholischen Forums Dortmund.

Auch in der evangelischen Kirche sei Sexualität ein Tabu-Thema, beklagt Sybille Mann, Vorsitzende des Synodalen Frauenausschusses im Kirchenkreis Iserlohn. Sex werde zu sehr „auf den Unterleib fixiert“. Sexualität sei mehr als Fortpflanzung stimmt Pater Modenbach zu. Der Beziehungsaspekt oder der Lustaspekt gehörten ebenfalls dazu.

Natürlich wurde Modenbach auch auf den Zölibat angesprochen. Wer in Ehelosigkeit lebe, müsse sich über seine Sexualität im Klaren sein, stellt er fest. Deshalb müsse in Priesterseminaren angstfrei über das Thema gesprochen werden. Diejenigen, die vor ihrer Sexualität weglaufen, schaffen die Probleme wie etwa das der sexuellen Gewalt.

Pater Modenbach spricht sich dafür aus, dass Priester zwischen Ehelosigkeit und Ehe wählen können. Für sein eigenes zölibatäres Leben stellt er jedoch fest: „Ich fühle mich ganz gut damit.“

Aus dem Publikum im überfüllten „Paradiesunddas“ melden sich einige Teilnehmerinnen zu Wort. Eine junge Frau weist darauf hin, dass die Kirche auch eine gesellschaftliche Verantwortung habe: „Sexualität hat etwas mit Verantwortung zu tun. Darauf muss die Kirche hinweisen!“

Dem stimmt Modenbach zu: „Jeder muss seine Sexualität so leben, dass kein anderer zu Schaden kommt.“

In den kurzen Diskussionsrunden wird an diesem Tag vieles nur angerissen. Doch dass die heißen Eisen zum „Fest der Kirchen“ gehören müssen, zeigt das große Interesse derjenigen, die trotz des sonnigen Tages ins Haus der Kirchen kommen.


23.05.2012
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