Aktuelle Ausgabe
2012-20

Bad Driburger Kirchengemeinde nutzt ehemalige Synagoge für Gottesdienste

Gotteshaus wiederbelebt

Das Innere der ehemaligen Synagoge von Bad Driburg. Die Nische, wo früher die Thora stand, beherbergt nun vorübergehend einen Tabernakel. Foto: Brinkmöller

Bad Driburg (jon). 70 Jahre nach der Schändung und Zerstörung der Synagoge von Bad Driburg in der Reichspogromnacht finden dort wieder Gottesdienste statt. Die Gemeinde St. Peter und Paul hat das Haus angemietet und feiert dort die Werktagsgottesdienste und kleinere Beerdigungsfeiern, solange die Pfarrkirche renoviert wird. Erfreut darüber zeigte sich die Driburger Jüdin Lore Eppy, die in den 30er-Jahren rechtzeitig in die USA auswandern konnte. Sie freue sich, dass in der Synagoge nach 70 Jahren wieder gebetet werde, sagte sie Gemeindemitglied Karl Brinkmöller am Telefon.

Die Idee, die ehemalige Synagoge in der Schulstraße 30 für Gottesdienste zu nutzen, hatte Vikar Peter Lauschus. Das Gebäude stand seit einiger Zeit leer. Nach dem Krieg war es von der Feuerwehr genutzt worden, sodass von außen nichts mehr an ein Gotteshaus erinnert. Danach war in dem Gebäude lange ein Getränkemarkt. Heutiger Besitzer ist ein Gemeindemitglied von St. Peter und Paul. Auch weil die ehemalige Synagoge nur 200 bis 300 Meter von der Pfarrkirche entfernt liegt, sei sie ein idealer Ort für kleinere Gottesdienste mit bis zu 50 Teilnehmern, sagte Pfarrer Dr. Arnulf Vagedes. Die Sonntagsgottesdienste finden in der Kirche des Gymnasiums St. Xaver statt.
Mit 8000 Euro des Erzbischöflichen Generalvikariates und viel ehrenamtlichem Einsatz richtete die Gemeinde im Frühjahr die Räumlichkeiten für den Gottesdienst her. Aus Depotbeständen des Erzbistums erhielt sie einen Altar und einen Tabernakel. Die Gemeinde ließ eine Stele für den Tabernakel fertigen, die nun genau in der Nische steht, in der früher die Thora ihren Ehrenplatz hatte.
Bei Totengebeten und Beerdigungsfeiern gedenkt die Gemeinde nun auch regelmäßig der Menschen, die früher in dem Raum beteten und von den Nazis ermordet wurden.
Es sei lange eine „tabuisierte Vergangenheit“ gewesen, sagte Pfarrer Vagedes. Die Erinnerung an die frühere Synagoge schien fast verschüttet. Eine Gedenktafel erwecke den Eindruck, die ehemalige Synagoge sei zerstört worden. Dabei sei das Gebäude nach wie vor vorhanden. Nun hofft Vagedes, dass der Gottesdienstraum in würdiger Form weiter genutzt werden kann, wenn die Gemeinde nach der Renovierung der Pfarrkirche voraussichtlich im Oktober das Gebäude wieder verlässt. Eine Idee sei, ob die Stadt den Raum nicht vielleicht als Ausstellungsraum nutzen könne.
Zum Gedenken an das Schicksal der jüdischen Driburger soll nun eine Sandsteinstele mit den Namen der Deportierten errichtet werden. Das Bad Driburger „Bürgerpunkt-Forum für freiwillige Dienste im Kreis Höxter“ griff damit eine Idee von Karl Brinkmöller auf, dem Nachbarn der ehemaligen Synagoge. Standort wird der Platz vor dem Haus Nr. 68 (ehemaliges Haus Schiff; auch als „Judenhaus“ bezeichnet) in der oberen Langen Straße. Gegenüber befand sich seinerzeit auch ein Aushang des NS-Propagandaorgans „Der Stürmer“.


23.05.2012
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