Gedanken zum Evangelium
Gottes persönliches Angebot an uns
Bei Jesus finden wir, die wir nur schwer die Stille aushalten, zur inneren Ruhe.
von Michael Menke-Peitzmeyer
„Ich werde euch Ruhe verschaffen!“ Bei allem, was am heutigen Evangelium schwierig und auch sperrig ist: Das Versprechen Jesu, den Seinen zur Ruhe zu verhelfen, klingt ungemein wohltuend und verheißungsvoll. Vielleicht gerade deshalb, weil wir hier als weithin gestresste und gehetzte Zeitgenossen die Anziehungskraft eines ganz anderen Lebens spüren können: Hier eröffnet sich die Perspektive eines Lebens ohne permanente Anstrengung und ohne den Zwang, ständig groß und stark, beliebt und bedeutend, kompetent und erfolgreich zu sein. Einfach mal nur in Ruhe gelassen zu werden. Eine Weisheit sagt: „Nur der in Ruhe gelassene Mensch kann in Ruhe ein gelassener Mensch werden.“ Dem ständigen Lärm des Alltags entfliehen und zur Stille finden – wer möchte das nicht in diesen lauten Zeiten?
Und trotzdem habe ich den Eindruck, dass viele Menschen gleichzeitig die wirkliche Stille vermeiden, wo es nur geht. Denn Stille kann auch Angst machen und zur Belastung werden. Der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er die Diagnose stellt: „Die meisten Menschen fürchten die Stille, darum muss immer etwas geplant und getan werden. In der wohl nicht zu Unrecht so genannten ‚Totenstille‘ wird es uns unheimlich; was wir dabei aber am meisten fürchten, ist das, was aus unserem eigenen Inneren hervorkommen könnte: all das eben, was wir uns durch den Lärm vom Halse halten…“. Denken wir hier nur an all die Menschen, bei denen selbst die Freizeit zum Stress wird, weil sie nicht mehr das beherrschen, was Hermann Hesse einmal die „Kunst des Müßiggangs“ genannt hat!
So einfach ist es allerdings nicht, zur inneren Ruhe zu kommen. Und auch das religiöse Leben wird vielfach nicht in diesem Sinne verstanden. Denn für so manchen geht es auch da schlichtweg um Leistung – wie in der Tretmühle des Alltags. Ganz ähnlich sahen es viele Pharisäer und Schriftgelehrte zur Zeit Jesu. Sie, die vermeintlich Klugen und Weisen, versprachen den Menschen einen Weg zu Gott – allerdings nur unter der Bedingung, dass sie in der Lage waren, das Gesetz des Mose mit seinen über 600 Einzelgeboten penibel zu halten. Von wegen Ruhe und Gelassenheit! Hier lautete die Devise: Nur wer Leistung bringt, lebt gottgefällig und ist bei den „Auserwählten“ willkommen.
Diese Sicht der Glaubensdinge ist auch heutzutage bei Christen anzutreffen. Dann steht nicht der Gott, zu dem wir mit unseren Plagen und Lasten kommen dürfen, im Mittelpunkt, sondern ein Gott, der religiöse und moralische Leistungen einfordert und diese schier übermenschlichen Anstrengungen dann auch bitteschön zu honorieren hat. Dabei ist ja gerade Jesus selbst die große Alternative zum religiösen Leistungszwang! Er ist der Anwalt derer, die sich tagaus und tagein abmühen und plagen, die zusammenbrechen, scheitern und oftmals überhaupt nicht mehr in der Lage sind, etwas zu leisten. Er blickt nicht hochmütig auf sie herab, sondern kümmert sich von Herzen um sie, wenn er ihnen zuruft: „Kommt zu mir, ich selber bin der Ausweg; ich werde dafür sorgen, dass in jedem Fall der Notausgang offen bleibt. Ich schenke euch trotz aller Belastungen die Ruhe des Herzens. Wer in meine Nähe kommt, kann wieder durchatmen, weil er seine Lasten abwerfen kann.“
Diese Botschaft drückt nicht mehr, sie entlastet vielmehr und richtet auf. Deshalb ist sie eine gute Nachricht für Menschen, die über beide Ohren beschäftigt sind und unter vielerlei Belastungen leiden. Nicht nur sie sind gut beraten, Gottes Angebot zu einem tragfähigen und erfüllten Leben ernst zu nehmen und dankbar anzunehmen. Es lohnt sich!







