Gedanken zum Evangelium
Gott oder Mammon
Gott oder Mammon? Entscheidend ist, dass uns das Geld nicht zum Sklaven macht. Das verdeutlicht Pfarrer Wolfgang Dembski an konkreten Beispielen.
von Wolfgang Dembski
Hat sich Jesus geirrt? Vielleicht geht es doch, dass wir Gott und zugleich dem Mammon dienen können: Der Bankangestellte, der zuverlässig und redlich seine Kunden berät und sonntags mit seiner Familie zur Kirche geht. Das junge Ehepaar, dass ganz viel arbeitet und jeden Cent zurücklegt für das erträumte Haus und sich zugleich aktiv an der Kommunionvorbereitung ihrer Tochter beteiligt. Die Mitarbeiterin in der Frauengemeinschaft, die ihre Ersparnisse klug angelegt hat und sich freut, dass sie ihren Kindern ein beachtliches Erbe hinterlassen wird. Der Pfarrer, der mit seinem Kirchenvorstand eifrig um Spenden bittet, damit die Kirche endlich renoviert werden kann. Da passt es doch zusammen: Geld und Frommsein. Warum also diese ernsten Worte Jesu?
Jesus hat selbst Geld gebraucht. Er war Realist genug, um die Notwendigkeit des Geldes anzuerkennen. So hat er ja auch häufig Beispiele aus der Welt des Mammons erzählt, manchmal sogar die Raffinesse der Geldverwalter als Vorbild empfohlen. Aber sein Blick ging dabei tiefer. Ihm es ging um die Frage: Wer hat das Sagen? Wer hat die Macht und wer wird durch diese Macht zum Sklaven? Und da sieht Jesus etwas, das heute auch von vielen hellsichtigen und klugen Zeitbeobachtern gesehen wird: die Diktatur des Geldes. Geld regiert die Welt. Das Schicksal der Menschen wird an Börsen und in Bankhochhäusern entschieden, und wer kein Geld hat, ist machtlos. Ansehen und Einfluss haben die Reichen, auf die Schwachen und Armen wird keine Rücksicht genommen. Wenn dann das Kapital mit dem Goldenen Kalb verglichen wird, um das die Menschen tanzen, dann spürt man, wie sich eine Religion ausbreitet, in der Gott, der Vater Jesu, nichts mehr zu sagen hat.
Darum ist es höchste Zeit, dass sich Christen/innen prüfen, ob sie nicht auch schon Sklaven dieses Mammongottes geworden sind und um ihn herum tanzen. Ob zum Beispiel Ehepaare trotz aller Sorgen um Verdienst und Einkommen sich noch Zeit nehmen, einander zuzuhören und einander Gutes zu sagen. Ob Eltern nicht nur die zukünftige Karriere ihrer Kinder im Blick haben, sondern auch darauf achten, dass ihre Kinder liebevolle Mitmenschen werden. Ob Geldangelegenheiten nicht nur geregelt werden nach dem Motto „immer mehr“, sondern auch mit der Frage: „Mit wem können wir teilen?“ Und vor allem, ob wir Gott ernst nehmen, ob wir mit ihm rechnen und ihm zutrauen, dass er in unserem Leben das Sagen hat und dass er das letzte Wort hat bei allem, was in dieser unserer Welt geschieht.
Ein kleines Gebet kann uns dabei helfen. Wenn wir es ehrlich und voller Überzeugung sprechen, kann es für uns auch ein Zeichen sein, dass wir noch keine Mammonsklaven sind. Es lautet: „Gott, dein Reich komme und dein Wille geschehe!“







