Gedanken zum Evangelium
Gott bucht bei uns nicht ab
Wieder einmal versuchen die Pharisäer, den Unruhestifter Jesus von Nazaret aus dem Weg zu räumen. Die Falle ist geschickt gestellt, denn die Frage: „Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen?“ ist zur Zeit Jesu politisch hochbrisant. Aber Jesus lässt sich auf das Spiel der Pharisäer nicht ein, wie Gabriele Broszio darlegt, Referentin für Frauenbildung im Generalvikariat.
von Gabriele Broszio
Die römische Besatzungsmacht erhebt Kopfsteuern in Israel. Gottes eigenes Volk muss die Ausbeutung durch den heidnischen Kaiser akzeptieren. Egal ob er die Frage mit ja oder nein beantwortet – die Antwort Jesu hat in jedem Fall Konsequenzen. Spricht er sich für die Steuer aus, muss er als vermeintlicher Römerfreund mit dem Verlust seiner religiösen Autorität als Rabbi rechnen. Stellt er sich gegen die Steuer, erwarten ihn aller Wahrscheinlichkeit nach Anklage und Strafverfolgung als Steuerrebell und Aufrührer.
Aber die Erwartung der Fragesteller geht nicht in Erfüllung. Die Falle schnappt nicht zu. Einmal mehr werden die Ehrerbietung heuchelnden Pharisäer von Jesus vorgeführt. Sie müssen eingestehen, dass sie die Antwort auf die vermeintlich ernsthafte Frage schon in ihren Geldbeuteln tragen. Sie benutzen die Münze mit dem Bild und der Titelaufschrift des Kaisers offenbar als Zahlungsmittel. De facto erkennen sie damit auch seine Steuerhoheit an. Nun stehen sie also da mit der unerwarteten Antwort Jesu: „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ Der erste Teil der Aufforderung ist eindeutig, zumindest für die, deren hinterlistiger Plan sich soeben in Luft aufgelöst hat: Dem Kaiser Steuern zu zahlen heißt, der staatlichen Autorität zu erstatten, was ihr von Rechts wegen zukommt. Weltliche Dinge sind nach irdisch-rechtlichen Maßstäben zu regeln, könnte die daraus resultierende Lehre lauten, die für Christen aller Zeiten gilt. Damit wird aber keineswegs eine Lanze für unkritische Staatstreue in allen Lebenssituationen gebrochen. Jesus erkennt die politische Obrigkeit zwar an, setzt ihr aber im gleichen Atemzug auch eine klare absolute Grenze: „Gebt Gott, was Gott gehört!“
Was aber gehört Gott? Welche „Münze“ trägt das Bild und die Besitz anmeldende Titelschrift Gottes? Für den gläubigen Menschen liegt die Antwort auf der Hand: Gott ist der Schöpfer der Welt. Ihm, der den Menschen nach seinem Abbild geschaffen hat, gehört die Welt. Alles, was ist, trägt das Bild Gottes. Damit wird deutlich, dass wir aus der Aufforderung Jesu nicht das gleichberechtigte Nebeneinander des Bereiches der weltlichen Macht und des Herrschaftsbereiches Gottes herauslesen können. Und mehr noch: Die beiden Machtbereiche sind nicht einmal miteinander vergleichbar. Das Charakteristikum des Politischen ist die Vorläufigkeit. Bei aller Bedeutsamkeit von politischen Programmen und Maßnahmen geht es hier doch nie um das Endgültige, um das Heil oder das Unheil schlechthin. Politisches kommt und geht, ist im Aufbruch, im Umbruch. Der Besitzanspruch Gottes dagegen steht über jeder Veränderung. Der Anspruch Gottes relativiert den Anspruch jeder weltlichen Macht zu allen Zeiten.
„Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört und Gott, was Gott gehört!“ Für uns Menschen heute steht – in der Regel – außer Frage, dass wir die uns auferlegten Steuern zahlen und damit unseren Beitrag zu einem funktionierenden Gemeinwohl leisten. In den meisten Fällen wird das, „was dem Kaiser gehört“, einfach von unserem Konto abgebucht. Wie aber verhält es sich mit dem, was Gott gehört? Gott bucht nicht ab, was ich ihm schulde. Ganz bewusst und nicht nur zu festgesetzten Fristen muss ich ihm von mir aus geben, was ihm zukommt. Was aber ist das? Der verantwortungsvolle Umgang mit dem Geschenk des Lebens? Die liebevolle Zuwendung zu den Mitmenschen? Was ich Gott in jedem Fall schulde, ist das Vertrauen, dass ich nicht verloren gehe und in seiner Hand geborgen bin.







