Gedanken zum Evangelium
Gott bleibt Geheimnis
Für einen Paderborner ist es mit dem Erklären der Dreifaltigkeit eigentlich leicht.
von Dr. Michael Hardt
„Der Hasen und der Ohren drei und doch hat jeder seine zwei.“ Das berühmte Drei-Hasen-Fenster im Innenhof des Kapitelsfriedhofs des Paderborner Domes gilt als Symbol für die Hl. Dreifaltigkeit. Als ich vor über 20 Jahren das kurze Sprüchlein zum Hasenfenster an den Beginn einer Predigt in der Münchener St.-Ursula-Kirche stellte, tippte sich ein älterer Mann an die Stirn und zeigte mir damit eindeutig einen „Vogel“.
In der Tat! Über die Dreifaltigkeit Gottes können wir viel nachdenken und in Bildern sprechen, am Ende können wir sie nur bekennen, niemals verstehen. Dreifaltigkeit ist das am meisten ausgesprochene, aber am wenigsten verstandene Geheimnis Gottes. Wen sprechen wir im Gebet eigentlich an: den Vater, den Sohn oder den Heiligen Geist? Nur „Gott“ zu denken, scheint ja zu einfach zu sein.
Für den Menschen des Alten Testamentes war es beinahe unmöglich, Gott anders zu erfassen, denn als den einen und einzigen und einmaligen Gott. Das Alte Testament ist zunächst Zeugnis dafür, wie über Jahrhunderte hinweg die Gottesvorstellung sich klärt zum Ein-Gott-Glauben. Der heutige Lesungstext ist vielleicht eines der ersten schriftlichen Zeugnisse, in dem anders als in älteren Texten die Existenz anderer Götter ausdrücklich verneint wird.
Jesu Botschaft hat diesen gewaltigen Gott des Alten Testamentes nicht kleiner gemacht. Aber Jesus hat dem Bild Gottes neue Dimensionen der Tiefe hinzugefügt. Er nennt ihn „Vater“. Auch wir sollen Gott so ansprechen. Die Offenbarung ist keine Schule, in der man Formeln lernt, sondern ein Prozess, in dem Gott seine Liebe zu den Menschen enthüllt. Gott ist nicht einfachhin jenes „höhere Wesen, dass wir verehren“, sondern er ist in Jesus mit den Menschen in Kreuz und Leid solidarisch geworden und schenkt den Menschen in der Auferweckung Jesu die Verheißung des ewigen Lebens. Die Rede vom dreifaltigen Gott enthält eine Zusatz-Aussage zu Judentum und Islam. Gott ist nicht einsam, sondern gemeinsam. Er ist Gott in lebendiger Gemeinschaft.
Wir glauben den einen Gott in drei Personen. Doch dabei kommt uns die moderne Definition von „Person“ quer. Unter Person wird dabei der individuelle, eigenständige Mensch verstanden. Über diesen Personenbegriff können wir nichts Höheres denken. Doch die Rede von den „drei Personen“ ist nur gedanklich nachzuvollziehen, wenn bewusst bleibt, dass die Theologie der alten Kirche den Begriff des „einen göttlichen Wesens“ noch höher stellt, als den Begriff der „Person“, wozu wir heute nur theoretisch in der Lage sind. Wir kommen eben über Hilfsbegriffe und Bilder nicht hinaus. Gott bleibt das absolute Geheimnis der Welt.
Vom lateinischen „personare“ = hindurchtönen klingt eine andere Deutung des Personenbegriffs an. In Vater, Sohn und Heiligem Geist scheint auf verschiedene Weise etwas vom Geheimnis Gottes durch. Die Personen sind nicht einzeln zu denken, sondern nur als sehr lebendiges Ganzes. Dennoch hat sich Gott nicht sozusagen in verschiedenen Rollen oder Masken gezeigt. Diese Vorstellung haben die frühen Konzilien als falsch verurteilt.
Gott bleibt das absolute Geheimnis. Das Dreifaltigkeitsfest bündelt die Gotteserfahrung Israels in die Glaubenserfahrung der Christen: Gott hat sich in der Geschichte offenbart. Er ist nicht der ferne Gott. Jesus hat die Verbindung zu ihm hergestellt und der Heilige Geist hält die Verbindung aufrecht. Auch das ist eine Hilfsvorstellung, um zu sagen: Gott ist bleibend bei uns.
„Der Hasen und der Ohren drei und doch hat jeder seine zwei.“ Ein anschauliches Bild, um die Rede vom einen Gott in Gemeinschaft zu verdeutlichen. Dieses Geheimnis Gottes bekennen wir im Glauben.







