Kommentar
Glaubhafter Mahner
Am Dienstag dieser Woche hat Papst Benedikt XVI. seine dritte Enzyklika unter dem Titel „Caritas in veritate“ zum sozialen Gefüge in der Welt vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise vorgestellt. Der DOM hat dafür seinen Andruck verschoben, um noch aktuell berichten zu können.
Christian Schlichter (45) ist Chefredakteur des DOM
Damit hätte wohl niemnad gerechnet. Der Papst hat eine Inszenierung hingelegt, die ihresgleichen sucht. Einen Tag vor dem Weltwirtschaftsgipfel hat er eine bis dahin absolut geheim gehaltene Enzyklika präsentiert, die den Weltbürgern gehörig an den Ohren zieht. Nicht oberlehrerhaft, sondern zutiefst mahnend. Auf der Basis eingehender Analyse. Aber in allen Teilen konstruktiv.
Der Vatikan, noch zu Jahresanfang gescholten als scheinbar der modernen Zeit nicht ganz gewachsen, präsentiert eine Sicht auf diese Welt, die detailgenau und pointiert die Nerven der Globalisierung blank legt. Der Mensch sei das „erste zu schützende und zu nutzende Kapital“, schreibt der Papst. Auf den Menschen komme es also an. Er sei es aber auch zugleich, der die Regeln und Kriterien in dieser Welt aufstelle. An diesem Punkt wird Benedikt XVI. konkret. Nicht als moralinsaurer Besserwisser, der verteufelt. Eher als Mahner, der nach tiefer Analyse mit seiner Forderung nach einer Weltkontrollinstanz ausspricht, was logische Konsequenz ist: Wer Globalisierung will, darf das nicht auf die Wirtschaft beschränken. Wer nicht scheitern will, muss Kontrolle auch auf ethischer Ebene installieren. Eine Forderung, zu der Nationalpolitiker sich nicht trauen würden. Gut, dass dieser Papst das so ausgewogen auf den Punkt bringt.






