Feuerwehr Sandbochum feiert 100-jähriges Bestehen und blickt mit Gottvertrauen in die Zukunft
Glaube hält Kameraden auf Kurs
Hamm. Wo früher Wasser mit Ledereimern, Pferdewagen und Löschketten zum Brandort transportiert wurden und Feuer mit Decken erstickt wurde, passiert das heute mit modernen Löschfahrzeugen und Löschmitteln. Auf 100 Jahre Feuerwehrgeschichte blickte jetzt der Löschzug Sandbochum zurück.
von Elisabeth Plamper
„Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr“: Feuerwehrleute lassen jederzeit alles stehen und liegen, wenn der Piepser oder die Sirene geht, um anderen zu helfen, um zu retten, zu löschen, zu bergen, zu schützen. Und dieses „Allzeit bereit“ sei ein wichtiger Bestandteil des Selbstverständnisses. Diesen Gedanken nahm Hamms Bürgermeisterin Ulrike Wäsche in ihrer Rede während der offiziellen Feierstunde zum 100-jährigen Bestehen der Feuerwehr Sandbochum auf.
112: So lautet der Notruf der Feuerwehr unter dem Schutz des Heiligen St. Florian. Das Leben des Schutzpatrons der Feuerwehr und der Handwerker, die mit Feuer und Wasser zu tun haben, skizzierte Pfarrer Lothar Brieskorn von der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Herringen in einem ökumenischen Feldgottesdienst. Die Mitglieder des Löschzuges Sandbochum feierten diesen gemeinsam mit ihren Gästen im Zelt auf dem Schützenplatz nahe der Feuerwache.
Den Auftrag der Feuerwehr und ihre Notrufnummer übertrug Pastorin Heike Park von der evangelischen Kirche in ihrer Predigt auf den Glauben an Gott. Auch dieser habe eine Notruf-Nummer, und nannte die Kennzahlen und Versnummern von Psalmen als Beispiel. So wie Feuerwehrleute in ihrem täglichen Leben die Aufmerksamkeit immer ein bisschen auf die Sirene oder auf den Piepser gerichtet haben, so sollten auch die Christen einen Teil ihrer Aufmerksamkeit immer auf Gott richten, appellierte die Pfarrerin. Insbesondere in der Notfallseelsorge zeige sich, wie hilfreich der Glaube in Ex-tremsituationen und bei der Trauerbewältigung sein könne.
Diese mentale und spirituelle Unterstützung nehmen auch die Feuerwehrkameraden dankbar an, denn nicht alles was sie bewegt, kann in die Familie getragen oder mit sich selbst ausgemacht werden. „Es tut einfach gut zu wissen, dass auch noch jemand da ist, der zuhören kann und wenn nötig, die richtigen Worte zur rechten Zeit findet“, weiß Löschgruppenführer Heiko Weber. „Unser Ziel ist, in Not geratenen Menschen zu helfen. Doch nicht immer können unsere Rettungsmaßnahmen erfolgreich abgeschlossen werden.“ Plötzlich werde klar, es wird ein Bergungseinsatz wie beispielsweise bei Verkehrsunfällen mit tödlichem Ausgang. „Dann sind wir dankbar für die Kraft, die wir aus der Kameradschaft erhalten, aus unserem Gottvertrauen schöpfen und für die seelsorgerische Unterstützung, auf die wir zurückgreifen können.“
Der feuerpolizeilichen Verordnung aus dem Jahr 1907 folgend, gründete sich 1910 die damals zehnköpfige Feuerwehr Sandbochum. 1925 wurde sie in eine freiwillige Feuerwehr mit 18 Feuerwehrleuten umgewandelt. Wurden zunächst das Wasser und die Wehrleute mit dem Pferdewagen zum Brandort gebracht, so erleichterte ab 1957 in Sandbochum ein Anhänger mit Motorspritze, der von einem Trecker gezogen wurde, die Löscharbeiten. Zehn Jahre später bekamen die Sandbochumer dann ihr erstes „richtiges“ Feuerwehrauto. Heute geht es mit einem modernen Löschfahrzeug zum Einsatz. Die Wehrleute werden auch nicht mehr nur im Brandfall gerufen, sondern sind auch bei Verkehrsunfällen vor Ort und leisten technische Hilfe. Derzeit hat die Feuerwehr Sandbochum 27 aktive Helfer.







