Aktuelle Ausgabe
2012-20

Litiurgie der Woche

Gemeinschaft leben

Jesus will Gemeinschaft stiften, im Mahl. Alle sind ihm da willkommen und sollen erfahren, wie sehr Gott sie mit seiner Gegenwart beehren möchte. So versichert Pfarrer Manfred Pollmeier, Leiter des Pastoralverbundes Löhne-Vlotho.
Die nächsten Wochen fällt Deutschland und ganz Europa wieder ins Fußballfieber. Es gelingt kaum, sich dieser Begeisterung zu entziehen. Termine in den Gemeinden werden mit Rücksicht auf die Länderspiele festgelegt und Menschen treffen sich in den Gemeindehäusern, um gemeinsam die Spiele zu verfolgen. Der Fußball verbindet tatsächlich über soziale Unterschiede, über Sprache und Grenzen hinweg, arm und reich, gebildete und einfache Menschen, alt und jung, sportlich oder nicht. Da entsteht wieder ein tiefes Gemeinschaftsgefühl. Jeder ist eingeladen. Man gehört dazu und ist Teil eines großen Ganzen.
Um Gemeinschaft geht es auch im Evangelium vom zehnten Sonntag im Jahreskreis. Jesus sammelt Menschen um sich und lädt sie zum Essen ein. Es gibt nur wenig, was Gemeinschaft mehr zum Ausdruck bringt, als miteinander zu essen, Mahl zu halten. Allerdings führt Jesu Tun zu einem Streitgespräch, da er die Gemeinschaft mit Sündern und Zöllnern so vorbehaltlos akzeptiert.
Für die Pharisäer ist klar: sie dulden unter ihren Reihen keine Sünder und Zollpächter. Zöllner galten als Ausbeuter und Betrüger. In Palästina gab es für alles Zölle: für Perlen, Fische, Getreide, Öl und Vieh. Die Zöllner pachteten sich einen bestimmten Zollbereich und mussten dafür eine festgesetzte Summe an die Römer abführen. Wegen ihres Umgangs mit der Besatzermacht und wegen ihrer Willkür und ihrer Habsucht waren sie verhasst. Jesus zeigte Mut, wenn er einen Zöllner in seine Jüngerschaft beruft. Denn indem er Tischgemeinschaft mit den Zöllnern und Sündern hat, vermittelt er ihnen Gottes Vergebung, zeigte er ihnen, dass sie von Gott geliebt sind. Das stößt die Pharisäer vor den Kopf, die seine Jünger zur Rede stellen. Jesus hört es und antwortet ihnen in drei Sätzen.
Die erste Antwort lautet: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken (Mt 9,12). Ein Arzt verurteilt nicht, sondern er heilt die Wunden und informiert, was zu einem gesunden Leben gehört. Denn das will Jesus: heilen und bekehren – das meint im Sinne Jesu, einladen zu einem Leben mit Gott.
Der zweite Satz stammt von dem Propheten Hosea: „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.“ (Mt 9,13). Offensichtlich sieht der Evangelist Matthäus in diesem Satz das Wesen Jesu ausgedrückt, denn der Satz kommt zweimal im Evangelium vor (Mt 12, 7b). Dabei geht es nicht darum, dass Jesus Opfer abschaffen möchte, sondern wohl eher um eine Vorrangstellung. Barmherzigkeit oder Mitleid ist höher einzuschätzen als eine religiöse Leistung, die zu erbringen ist. Damit stellt Jesus die Haltung der Pharisäer auf den Kopf. In ihren Vorstellungen muss der Sünder sich zuerst bekehren, bevor er mahlfähig ist. Doch Umkehr ist niemals Leistung, sondern Geschenk.
Und der dritte Satz, mit dem Jesus auf den Vorwurf der Pharisäer antwortet, gibt das Programm seiner Sendung an: „Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten“ (Mt 9,13). Die, die sich für gerecht halten, sind nicht offen für seine Botschaft. Aber die, die ihr Leben verfehlt haben, die auf der Suche nach Erfüllung, Sinn und Liebe sind, die sich als Bedürftige erfahren, verstehen seine Worte. Gottes Zuwendung gilt ihnen.
Wenn am 29. Juni das Finale der Europameisterschaft vorbei ist, der Alltag wieder anfängt, dann ist das Gemeinschaftsgefühl schnell wieder verflogen. Gemeinschaft, die der Fußball stiftet, hört mit dem Fußball, dem Abpfiff auch wieder auf. Da bleibt nichts, das wirklich trägt. Das Gemeinschaftsmahl aber, zu dem Jesus im Gottesdienst einlädt, gilt sogar über den Tod hinaus. Es schenkt Hoffnung und Gelassenheit und hebt uns über manche Sorge hinweg. Und jeder, selbst der Zöllner Matthäus, erfährt: „Schön, dass du da bist. Auch du bist ein Kind Gottes.“
Pfarrer Manfred Pollmeier,
Leiter des Pastoralverbundes Löhne-Vlotho,
Bahnhofstr. 5, 32584 Löhne


23.05.2012
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