Aktuelle Ausgabe
2012-20

Der neue Dechant Gerhard Pieper über die Situation im Dekanat Höxter

Gemeinden mit Charme

Der neue Dechant des Dekanats Höxter, Gerhard Pieper, vor der Pfarrkirche von Ossendorf bei Warburg.Foto: Jonas

Warburg/Dekanat Höxter. „Das Dekanat Höxter hat ein solides Fundament, mit dem was zu machen ist“, sagt Gerhard Pieper (43). Der Leiter des Warburger Pastoralverbundes Egge-Börde-Diemeltal ist der neue Dechant im Dekanat Höxter. Mit überwältigender Mehrheit wurde er Anfang Juni gewählt. In sein Amt eingeführt wird er am Mittwoch, 22. Juli, um 18 Uhr mit einem Gottesdienst auf dem Heiligenberg bei Ottbergen.

von Markus Jonas

„Das Dekanat Höxter hat einen besonderen Charme“, ist Gerhard Pieper überzeugt. Diesen Charme machen die vielen kleinen Gemeinden und Dorfkirchen aus. Immerhin 102 Gemeinden hat das ländliche Dekanat Höxter, bei insgesamt rund 100 000 Katholiken. Das stellt besondere Herausforderungen an das pastorale Personal im Dekanat. Unmittelbar müsse sich zwar nichts ändern, sagt Dechant Pieper. Sein Vorgänger Andreas Kurte, der vor einem Jahr als Leiter der Abteilung „Pastorales Personal“ ins Generalvikariat nach Paderborn berufen wurde, habe 2006 das aus drei kleineren Dekanaten neu gebildete Dekanat Höxter „gut auf den Weg gebracht“. Die beiden Stichworte „Kommunikation“ und „Inspiration“ „gelten weiter fort“. Konkret bedeute dies: „Wir bemühen uns zu vernetzen.“ Und zwar sowohl die Hauptamtlichen „in kollegialer Beratung“, als auch die Ehrenamtlichen. „Wir haben tolle Ehrenamtstage gehabt.“ Gerade die Ehrenamtlichen seien die besondere Stärke des Dekanats Höxter, sagt Dechant Pieper und zitiert einen Kirchgänger, der „etwas plakativ“ gesagt habe: „Wir haben vielleicht mehr Ehrenamtliche, als in Dortmund zur Kirche gehen.“
Und dennoch gelte für die Zukunft: „So wie bisher geht es nicht mehr. Wir müssen uns selbst neu erfinden.“ Vor allem das Thema Landpastoral, das das Dekanat Höxter bereits seit Jahren in den Blick genommen hat, müsse weiterentwickelt werden. Auf dem Land herrsche schließlich „eine viel drängendere Wirklichkeit als etwa in Paderborn“. Zwar will auch Dechant Pieper die Kirche buchstäblich im Dorf lassen. Dorfkirchen sollen also auf keinen Fall geschlossen oder verkauft, sondern weiterhin genutzt werden. „Das soll aber nicht heißen, dass alles beim Alten bleiben kann.“ Die kleinen Landgemeinden könnten nicht alles anbieten, was eine große Gemeinde anbietet. Die kleinen Gemeinden müssten sich „neu besinnen, was sie ausmacht“, rät Gerhard Pieper. Immerhin seien sie oft „die agilsten“.
Im Zuge der in den kommenden Jahren bevorstehenden Umstrukturierung im Erzbistum Paderborn, bei der zwei oder drei Pastoralverbünde zusammengelegt werden, müsse ein Umdenken stattfinden, sagt der Dechant. Die bisher 16 Pastoralverbünde des Dekanats Höxter sollen dann zu nur noch sieben Pastoralverbünden vereinigt werden. Da seien die Vorstellungen vor Ort und im Generalvikariat „deckungsgleich“ gewesen.
Dechant Pieper schwebt vor, in diesem Zusammenhang verstärkt „pastorale Orte“ zu nutzen. Das müssten nicht unbedingt Kirchen sein, sondern könnten auch katholische Kindergärten oder Altenheime sein, „wo auch Gemeinde ist“. Ein Kindergarten könne so „provokant gesagt ein Missionsstützpunkt“ sein, ein „bewusster Ort, Pastoral zu betreiben“. Kräfte dafür seien frei geworden, durch die Delegierung der gemeinde­eigenen Kindergärten an eine neu gegründete GmbH. In seinem Pastoralverbund Egge-Börde-Diemeltal muss sich Pfarrer Pieper künftig nicht mehr um Bau- oder Personalfragen seiner drei Kindergärten kümmern, kann sich dagegen mehr auf den Kontakt mit den Erzieherinnen und Eltern konzentrieren.
Auch anderswo gelte es „Synergien“ zu finden, sagt Gerhard Pieper, und nennt als ein Beispiel die Fronleichnamsprozession, die in seinen Gemeinden Menne, Hohenwepel, Ossendorf und Nörde seit zehn Jahren jährlich von Ort zu Ort wechselnd stattfinde. Dadurch seien die Prozessionen größer, jeder sei einmal „Gastgeber“. „Ich behaupte: Die Gemeinden sind die Gewinner dabei.“
Was in der Zukunft zudem verstärkt gebraucht werde, seien geistliche Zentren, ist Dechant Pieper überzeugt. Gerade im Dekanat Höxter gebe es viele kirchliche Einrichtungen, die diese Funktion übernehmen könnten, „Orte, die etwas ausstrahlen“, Bildungseinrichtungen, Krankenhäuser, Altenheime oder Schulen: „Das sind Leuchttürme, die haben was zu sagen.“


23.05.2012
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