Aktuelle Ausgabe
2008_46

Gedanken zum Evangelium

Geht hinaus in die ganze Welt …

Der Glaube macht fähig, sich auch Neuem und Ungewohntem auszusetzen. Dies erkennt Pfarrer Johannes Hammer aus Iserlohn als roter Faden in den Lesungen des 20. Sonntags im Jahreskreis.
Ende Juni  begann das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene Paulusjahr. Das Gedenken der Apostel Petrus und Paulus wird im liturgischen Kalender der Kirche am 29. Juni gefeiert. Damit wird klar: der Einsatz der beiden Apostel für die Kirche Gottes kann nicht getrennt voneinander gesehen werden. Wenn auch die Botschaft Jesu Christi durch alle Zeiten hindurch dieselbe ist, so setzten Petrus und Paulus in der Verkündigung des Evangeliums unterschiedliche Akzente.
Wir wissen, dass Petrus unter den Aposteln die Führungsrolle hatte. Das Johannesevangelium kennt neben der dreimaligen Leugnung des Petrus, Jesus zu kennen (Joh 18, 12-27), die dreimalige Frage des Auferstandenen an Petrus „Liebst Du mich?“ (Joh 21, 15-17). Im Matthäusevangelium hören wir: „Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen, …“ (Mt 16, 18). Petrus hat den Auftrag, die Kirche Gottes zu leiten, den rechten Glauben zu hüten und zu bewahren, das Fundament des Glaubens zu sichern.
Bei allem notwendigen Bewahren des Glaubens, bei aller Bestandssicherung besteht die Gefahr, dass Glaube und  Kirche erstarren und ihre Lebendigkeit verlieren. Folglich wird bei der Beschreibung des Lebens des Apostels Paulus des öfteren betont, er sei derjenige gewesen, der die Kirche Gottes für die Mission der Heiden öffnete und dadurch der Verkündigung die notwendige Kraft und Bewegung verlieh. Auf seinen drei Missionsreisen begegnete er unterschiedlichen Kulturen. Er spürte zutiefst, dass die Botschaft Jesu Christi allen Menschen gilt.
Das bekräftigen auch die Schriftlesungen des 20. Sonntags im Jahreskreis: Im Buch Jesaja wird von den Fremden gesprochen, die sich dem Herrn angeschlossen haben. „… mein Haus wird ein Haus des Gebets für alle Völker genannt“ (Jes 56,7). Paulus erzählt im Brief an die Römer vom Erbarmen Gottes, welches Nichtjuden wie Juden zuteil werden soll (Röm 11, 29-32). Im Evangelium heilt Jesus die Tochter der kanaanäischen Frau. Ihr inständiges Bitten (Mt 15,27) lässt Jesus erkennen, dass er nicht nur „zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“ (Mt 15,24) gesandt ist.
Gerade im Paulusjahr dürfen wir uns als Christen an den durch die Taufe und die Firmung gegebenen Auftrag Jesu erinnern lassen. Beim Bewahren, Festhalten und Pflegen unserer Beziehung zu Jesus Christus geht es gleichzeitig um das sich Öffnen für das Neue, Ungeahnte des Lebens, einer sich wandelnden Welt. Das heißt: Der Glaube an den Gott und Vater Jesu Christi ist vergleichbar mit zwei Seiten einer Medaille. Je stärker wir am Glauben festhalten und Jesus Christus als die Mitte unseres Lebens begreifen, umso mehr werden wir fähig dem Neuen, dem Anderen zu begegnen. Indem wir einen klaren Standpunkt haben, können wir erst recht in den Austausch mit den Mitmenschen treten. Sich dann gegebenenfalls zu wandeln und zu verändern, fällt weniger schwer.
Mut macht hier die kanaanäische Frau. Sie zählte zu den sogenannten Heiden der damaligen Zeit. Sie versicherte sich des Beistands Jesu. Ihr inständiges Bitten, ihr starker Glaube hatte ihr geholfen (Mt 15,28). Plötzlich ist sie es, die den Herrn bereit macht, sich ihr zuzuwenden. Christi Sendung gilt ohne Unterschied allen Menschen. Verstehen wir das Beispiel der kanaanäischen Frau als Appell, dem Wirken Gottes, dem Geist Gottes zu vertrauen und zu glauben. Der Geist Gottes reißt aus gewohnten Bahnen heraus. Er kann manchmal mehr bewegen, als wir zu erbitten und zu erahnen vermögen.
Christen, die fest in Jesus Christus verwurzelt sind, brauchen sich in einer sich wandelnden Welt nicht zu fürchten. Gerade im Blick auf die starken Umbrüche gegenwärtiger Zeit bedarf es mehr denn je in der Praxis des Glaubens großer Standfestigkeit und gleichzeitiger Offenheit im Austausch miteinander, sei es in der eigenen Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz oder in der christlichen Gemeinde. Lassen wir uns dabei wie die Apostel damals vom Geist Gottes bewegen und führen. Jesus sagte zu ihnen: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16,15)
Pfarrer Johannes Hammer,
Leiter des Pastoralverbundes ­Iserlohn-Mitte,
Hohler Weg 44, 58636 Iserlohn


21.11.2008
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