Neuerscheinung rückt das Werk Leopold von Ledeburs in den Mittelpunkt
Gegen den Ausverkauf der Schätze
Bielefeld. Es war die Sorge um die alten, kirchlichen, geschichtlich und kunstgeschichtlich bedeutsamen Denkmäler, die Leopold von Ledebur umtrieb, als er 1825 das Minden-Ravensberger Land erwanderte und die Bauten, Kunstwerke und Archivalien der Region erfasste. Es war die Faszination für diesen Pionier der modernen Denkmalpflege, die Andreas Priever und Ulrich Henselmeyer antrieb, das Werk Ledeburs neu darzustellen. Herausgekommen ist das Buch „Leopold von Ledebur: Das Fürstentum Minden und die Grafschaft Ravensberg – Denkmäler der Geschichte, der Kunst und des Altertums (1825)“, das die Herausgeber im Stadtarchiv Bielefeld vorstellten.
von Ruth Lakenbrink
„Der Ausverkauf der Kirchenschätze nach der Säkularisation machte Ledebur zu schaffen“, erklärt Herausgeber Andreas Priever bei der Präsentation des Buches aus dem Verlag für Regionalgeschichte (VRG). So kam dem jungen preußischen Offizier Leopold Karl Wilhelm Freiherr von Ledebur (1799 bis 1877) der Auftrag zur Erforschung der „vaterländischen Altertümer“, den er vom „Ministerium der geistlichen-, Unterrichts und Medicinalangelegenheiten“ bekommen hatte, gerade recht. Während mehrerer Kurzurlaube erwanderte der Katholik 1825 die Heimat seiner Vorfahren und verzeichnete die Denkmäler und Kunstwerke in Bielefeld, Herford, Minden und Umgebung. Dass er damals bereits ein wichtiges historisches Zeugnis für spätere Historiker und Kunsthistoriker hinterlassen sollte, ahnte er wohl noch nicht.
Fest steht, dass Ledeburs Aufzeichnungen in ihrer Präzision und Ausführlichkeit als Quelle von unschätzbarem Wert für die Forschung waren und nach wie vor sind. Diese seien, wie Priever es ausdrückte, „das Brot, auf das wir Historiker und Kunsthistoriker heute noch die Butter schmieren.“ Zumal Ledebur seinen Aufzeichnungen häufig präzise und aus heutiger Sicht hilfreiche Skizzen spätmittelalterlicher Altäre zufügte. Eine Besonderheit seiner Handschrift ist, dass der Historiker es nicht bei der Beschreibung der Denkmäler belässt, sondern auch Begebenheiten beschreibt, wenn er beispielsweise einen Gemeindepfarrer nicht angetroffen hat und stattdessen woanders um Auskünfte bitten musste.
Obwohl es eine Reihe vom Verfasser beglaubigter Abschriften des 1825 entstandenen Werks Ledeburs gibt, ist es vor allem die mittlerweile längst vergriffene Edition von Gustav Heinrich Griese aus dem Jahr 1934, die bislang als Forschungsgrundlage diente. Das Manuskript selber aber wurde bislang noch nicht im Zusammenhang wissenschaftlich untersucht.
Mit dem nun vorliegenden Buch möchten die Herausgeber einen Ersatz für das vergriffene Buch Grieses bieten. Doch während Griese um eine Glättung der altertümlichen Sprache Ledeburs bemüht war, haben Priever und Henselmeyer die ursprüngliche Handschrift belassen und lediglich um eine Einleitung und einige historische Fotos aus dem Bildarchiv des LWL-Amtes für Denkmalpflege in Westfalen, die Ledeburs Aufzeichnungen stützen, ergänzt.
Wenngleich die Handschrift Ledeburs keinen Eingang in öffentliche Bibliotheken fand, so bescherte sie ihm doch einen enormen Karriereschub. Als er 1828 gezwungen war, aufgrund seiner hochgradigen Kurzsichtigkeit den Militärdienst aufzugeben, wartete schon das Angebot von König Friedrich Wilhelm III. auf ihn, Vorsteher der Abteilung „Vaterländische Altertümer“ des Königlichen Kunstmuseums zu werden. Zwei Jahre später erfolgte die Ernennung zum Direktor der Königlichen Kunstkammer.
Möglicherweise erlebt Ledebur nun, mehr als 130 Jahre nach seinem Tod, durch das Buch der Historiker Priever und Henselmeyer einen neunen Popularitätsschub. Auf jeden Fall sei es nicht nur für Forscher geeignet, sondern auch für landesgeschichtlich interessierte Laien, da ist sich Priever sicher. Die könnten sich dann mit dem Buch in eine beschrieben Kirche setzen und selbst entdecken, was heute noch zu sehen ist.
Andreas Priever, Ulrich Henselmeyer (Hrg.): „Leopold von Ledebur: Das Fürstentum Minden und die Grafschaft Ravensberg – Denkmäler der Geschichte, der Kunst und des Altertums (1825)“, Verlag für Regionalgeschichte (VRG), 166 Seiten, ISBN 978-3-89534-661-3 kostet 24 Euro.







