Aktuelle Ausgabe
2012-20

Das Mentorenprojekt „Balu und Du“ in Hamm fördert Grundschüler

Fußball, klettern, Bücher lesen

Wollen Kinder durch das Jahr begleiten: Lehrerin Birgit Meier (links) und Birgitt Henttrey von der Caritas (rechts) mit ihren „Balus“. Foto: Berbüsse

Hamm. Shari Dalmann ist seit ein paar Monaten ordentlich auf Trab. Ständig muss die 20-Jährige Fußball spielen, klettern und Fangen spielen. Karen-Alina Brüggemann dagegen wird immer vorgelesen. Und die ebenfalls 17-jährige Sarah Rost hat sich stundenlang mit Basteln beschäftigt. Die drei Mädchen sind Teilnehmer des Projektes „Balu und Du“ in Hamm, bei dem Schüler des Franziskus- Berufskollegs jeweils für ein Jahr lang Grundschüler durchs Leben begleiten.

von Birger Berbüsse

„Balu und Du“ – benannt nach den Hauptfiguren aus dem „Dschungelbuch“ – ist ein ehrenamtliches Programm, das Kinder im Grundschulalter fördern möchte. Dazu wird jedem Teilnehmer ein junger Erwachsener (zwischen 18 und 30 Jahren alt) zugeordnet, mit dem er einmal in der Woche etwas gemeinsam unternimmt. „Wir wollen diesen Jungen und Mädchen Möglichkeiten neben Schule und Familie bieten, um sich weiter entwickeln zu können“, beschreibt Birgit Meier die Absicht des Angebots. Die 55-Jährige Lehrerin ist am Franziskus-Berufskolleg seit der Einführung im Schuljahr 2006 für die Umsetzung des Programms verantwortlich.
„Balu und Du“ ist ein gemeinnütziger Verein, der 2001 ins Leben gerufen wurde, weiß die Mutter dreier Kinder zu berichten. Ähnliche Projekte wie nun in Hamm gebe es auch in Israel und Schweden sowie – unter dem Namen „Big Brother“ – schon seit langem in den USA. Nach Hamm kam das Mentorenprojekt durch Birgitt Hentrey von der Caritas. Die hatte davon auf einer Caritassitzung in Münster gehört. „Ich war gleich ganz  begeistert und habe das dem Berufskolleg vorgeschlagen“, erinnert sich Hentrey. Dort wurde das Projekt in der Konferenz angenommen. „Wir haben einfach gesehen, dass das eine gute kinderfreundliche Sache mit Zukunft ist“, sagt Lehrerin Meier. Da stünde es einem Berufskolleg doch gut, sich zu engagieren.
Als Begleiterin der Berufs­praktika bekam sie den Auftrag, „Balu und Du“ am Franziskus-Kolleg einzuführen. Die teilnehmenden Schüler kommen aus dem Bildungsgang für Erzieher. Sie müssen Birgit Meier zu Beginn eines Schuljahres Grundschulen in ihrer Nähe nennen. „Ich nehme dann mit den Schulleitern dort Kontakt auf und informiere sie über das Programm“, schildert die engagierte Lehrerin den typischen Ablauf. Die entscheidende Frage sei dann stets: „Um welches Kind machen Sie sich Sorgen?“ Damit öffne sie dann gewissermaßen die ganze Bandbreite von Kindern mit Migrationshintergrund, aus sozial schwachen Familien oder mit anderen Problemen. Die Schulleiter und Lehrer benennen daraufhin entsprechende Mädchen oder Jungen und sprechen mit den Eltern, ohne deren Einwilligung natürlich nichts möglich sei.
„Und dann kommt auch schon der erste Kontakt zwischen Balu und Mogli“, weiß Birgitt Hentrey von der Caritas, die ein zweites solches Projekt in Hamm betreut. „Unsere jungen Mentoren gehen da oft mit viel Herzklopfen hin“, kennt auch Programmbegleiterin Meier die Anfangsängste ihrer Schüler. Doch das gehöre nun mal dazu und die Phase des „sich aneinander Gewöhnens“ sei ein wichtiger Bestandteil von „Balu und Du“. Denn nach ein, zwei Treffen fingen die Kleinen, die oft sonst vielleicht sehr schweigsam seien, plötzlich an zu erzählen. Schließlich hätten viele nun endlich überhaupt etwas zu berichten, so Meier. Was sie mit ihrem Mentor so erleben, liegt meist in ihrer Hand. Neben Fußball spielen und Schwimmen gehen „Balu und Mogli“ gemeinsam spazieren, Eis essen oder in die Bücherei. Sie basteln, gehen in den Zoo oder auch mal gemeinsam ins Kino.
„Die Grundschüler machen in diesem Jahr eine unglaubliche Entwicklung durch“, weiß Birgitt Hentrey von Gesprächen mit ihren Lehrern. Und auch ihre großen Begleiter profitieren davon. „Viele sagen: Jetzt kann ich endlich mal wieder Kind sein“, weiß Birgit Meier aus den Gesprächen. Das sehen Shari, Karen-Alina und Sarah genauso. Auch, wenn es manchmal ganz schön anstrengend ist.


22.05.2012
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