Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Für Jesus war Neid unpassend

Msgr. Bernhard Schröder ist Präses des Jungeninternates Collegium Bernardinums in Olpe

von Msgr. Bernhard Schröder

Man mag es glauben oder nicht, aber es ist nicht selten, dass Menschen aufeinander neidisch sind oder sogar zu Konkurrenten werden, wenn andere etwa eine Hilfsaktion starten, etwas Gutes tun, ein soziales Projekt ins Leben rufen oder etwas Großartiges im Dienst für andere leisten. Auch wenn sie damit Erfolg haben, spielt es keine Rolle, ob das in einer kirchlichen Gruppe, in der eigenen Gemeinde, der Nachbarpfarrei oder gegenüber einem anderen Verband passiert, der Neid ist da.
Das wird argwöhnisch beäugt und im schlimmsten Fall dann auch noch schlecht geredet. Selbst unter Geistlichen soll dies vorkommen, sodass die Rede von der „invidiaclericalis“, dem Neid unter Klerikern, eine unrühmliche Angelegenheit ist.
Wenn die besondere Hilfeleistung oder der Erfolg gar durch außerkirchliche Gruppen erzielt wird, kann die Aufregung der Neider besonders groß sein. Aber so sind nun einmal die Menschen, unverändert ist auch das seit 2000 Jahren.
Blenden wir zurück in die Jesus-Zeit. Da kommt der Apostel Johannes zu Jesus und entrüstet sich, dass da einer ist, der Dämonen austreibt, das heißt Menschen befreiend hilft, ohne zur Jesus-Gemeinschaft zu gehören. Die Reaktion von Jesus auf die vorgebrachte Beschwerde ist knapp und eindeutig: „Hindert ihn nicht“ (Mk 9,39). Denn, so sagt Jesus weiter, wer nicht erklärter Gegner von ihm ist, der wird auch nicht gegen ihn agieren und der darf mit weitem Herzen zu denen gerechnet werden, die letztlich im Geist der eigenen Gemeinschaft handeln. Und jeder sollte dies nach Jesu Worten gleichfalls zulassen.
Es geht Jesus also immer um den Dienst an dem Menschen, um Hilfe und Unterstützung für sie und nicht etwa um die eigene Profilierung oder den persönlichen Erfolg.
Gewiss kann die Kirche mit all ihren unterschiedlichen Gruppierungen und verschiedenartigen Hilfsmaßnahmen, die Weltkirche, die Ortskirche, die Pfarrgemeinde und die verschiedenen Verbände und Hilfsorganisationen, mit Recht stolz sein auf das, was sie in der Geschichte geleistet hat und auch noch immer leistet zur Linderung von Not, zur Behandlung von Krankheit und in Sorge um den Menschen in seinen unterschiedlichen Situationen. Wir dürfen uns immer wieder neu überraschen und begeistern lassen, welche Ideen kirchliche Gruppen und Gemeinschaften entwickeln und mit großem Engagement vom Jugendalter an durchführen, um Not zu lindern und wohltuende Solidarität zu bekunden. Da braucht sich die Kirche wahrhaftig nicht zu verstecken, ganz abgesehen davon, wie viele Dienste ganz selbstverständlich im Stillen Tag für Tag geleistet werden, ohne dass ein Außenstehender davon Notiz nehmen kann.
Aber bei alldem dürfen wir mit Jesus dankbar anerkennen und uns mitfreuen über das, was auch außerhalb der Kirche geleistet wird und was in all den Jahrhunderten vor der Christianisierung an Wohltaten von Menschen unterschiedlicher Nationen, Kulturen und Religionen geleistet worden ist. So weist Jesus die Jünger und damit auch uns darauf hin, dass wir es selbstverständlich geschehen lassen und auch unterstützen sollten, wenn jemand auch außerhalb der Kirche oder unserer eigenen Pfarrgemeinde Gutes tut, denn davon kann niemals genug getan werden.
Das Ziel des Menschen, egal ob Christ oder Nichtchrist, sollte immer das Wohlergehen des Nächsten sein. Die Botschaft der alttestamentlichen Lesung aus dem Buch Numeri geht in die gleiche Richtung.
Ich wünsche uns allen, dass auch wir von der Liebe und Zuwendung durch Menschen aller Nationen, Kulturen und Religionen beschenkt werden.


22.05.2012
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