Aktuelle Ausgabe
2012-20

Lippstädter Gemeinde besucht Zugezogene

Frommer Wunsch

Die Bonifatius-Gemeinde steht für jeden offen: Günter Hennecke und zwei seiner Helferinnen vom Besuchsdienst, Anneliese Klapper und Monika Fischer (v. l). Foto: Berbüsse

Lippstadt. Monika Fischer klingelt an der Haustür. Ob sie willkommen sein wird, weiß sie nicht. Alle acht Wochen marschiert sie durch die Hochhausreihen im Lippstädter Süden, besucht ihr völlig unbekannte Menschen. Im Gepäck hat die 60-Jährige stets einen Packen an Zetteln und grüner Heftchen voller Infos. Monika Fischer ist eine von zehn Helfern des Besuchsdienstes der Bonifatius-Gemeinde. Sie will Zugezogene einladen, die Gemeinde kennenzulernen.

von Birger Berbüsse

„Die Menschen, die zu uns ziehen, sollen merken, dass sie bei uns willkommen sind und sich beteiligen können“, beschreibt Günter Hennecke das Ziel des Besuchsdienstes seiner Gemeinde. Der 76-jährige Rentner ist Leiter der vor zehn Jahren ins Leben gerufenen Aktion. „Wir wollen den Neu-Lippstädtern zeigen, dass wir eine lebendige Gemeinde sind, die sich freut, wenn sie zu uns kommen“, fügt er hinzu. Monika Fischer und Anneliese Klapper, 72, stimmen ihm nickend zu. Sie sind zwei der zurzeit zehn ehrenamtlichen Helfer des Besuchsdienstes.
Ihre Arbeit beginnt immer dann, wenn Günter Hennecke wieder Post aus Essen bekommen hat. Denn dann hat ihm das kirchliche Meldewesen die Daten all jener Menschen geschickt, die im vergangenen Zeitraum in das Gebiet der Bonifatius-Gemeinde gezogen sind. „Das hält sich meistens die Waage zwischen Menschen, die innerhalb Lippstadts umziehen oder von ganz woanders herkommen“, weiß Hennecke aus der langjährigen Erfahrung. Er beruft dann ein Treffen des Dienstes im Pfarrheim ein, wo die Neuzugezogenen untereinander aufgeteilt werden. Das geschieht nicht unbedingt nach dem Zufallsprinzip: „Ich nehme immer die Hochhäuser“, sagt Monika Fischer, „da kenne ich mich schon so gut aus.“ Andere nehmen lieber Adressen, die in ihrer Nachbarschaft liegen. Ist alles verteilt, liegt es beim jeweiligen Helfer, die neuen Gemeindemitglieder bis zum nächsten Treffen zu besuchen. Das Ziel ist bei einem solchen Besuch immer dasselbe: „Wir wollen die Menschen herzlich willkommen heißen – verbunden mit dem frommen Wunsch, dass sie dann auch wirklich zu uns kommen“, sagt Günter Hennecke.
Dafür müssen er und seine Mithelfer sie aber auch erst einmal antreffen. Und das ist nicht immer so leicht: „Wir müssen oft schon ein paar Mal laufen, bis wir die erreichen“, blickt Rentnerin Anneliese Klapper auf viele gelaufene Meter zurück: „Drei bis vier Mal kann das schon dauern.“ Hat sie bis dahin niemanden erreicht, wirft sie aber doch das grüne Begrüßungsheft in den Briefkasten. Am liebsten ist es ihr aber, wenn sie in persönlichen Kontakt treten kann. Wobei das immer etwas schwierig sei, schließlich wisse sie ja nie, was einen erwartet. Auch Monika Fischer kennt solche Sorgen: „Aber heute hab ich nur noch Angst, dass der Fahrstuhl auf dem Weg zur Wohnung stecken bleibt.“
Die Gespräche und Menschen sind unterschiedlich, doch manche Gemeinsamkeiten haben sich herausgebildet. „Alte Menschen freuen sich über den Besuch und wollen erstmal ein bisschen reden“, sagt Anneliese Klapper lächelnd. Jüngere dagegen würden zwar gerne das grüne Begrüßungsheftchen nehmen, das Gespräch jedoch rasch abwickeln. Da sei man dann schneller wieder draußen. Abhalten tut das die rüstige Dame aber bestimmt nicht: „Der persönliche Kontakt ist ganz wichtig“, glaubt sie. Denn die meisten der Besuchten seien schließlich nur noch auf dem Papier in der Kirche und müssten erst wieder herangeführt werden. Deswegen liege die Betonung auf dem „Einladen“, einmal in den Gottesdienst oder zu den Gruppen zu kommen. Auch werde versucht, zu helfen, wo es möglich sei.
Wie erfolgreich die vor zehn Jahren vom damaligen Pfarrer Meinolf Mika ins Leben gerufene Dienst wirklich ist, kann Günter Hennecke zwar nicht mit Zahlen belegen: „Aber unsere Gottesdienste sind immer voll!“


22.05.2012
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