Das Dekanat Südsauerland macht auf das erhöhte Armutsrisiko von Familien aufmerksam
Familien am Rande der Gesellschaft

- Auf Einladung der Fachkonferenz Familie des Dekanats Südsauerland diskutierten die Bürgermeister des Kreises Olpe (v. l.): Wolfgang Hilleke (Attendorn), Stefan Hundt (Lennestadt), Dietmar Heß (Finnentrop), Michael Grobbel (Kirchhundem), Stellvertreter Lothar Epe (Olpe). Rechts die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lennestadt, Petra Peschke-Göbel, die die Moderation übernahm. Foto: Voss
Olpe (jon). Wer kein Geld hat, der zieht sich über kurz oder lang auch aus dem kulturellen und öffentlichen Leben zurück. Das war das Fazit einer Podiumsdiskussion mit dem Thema „Familien am Rande“. Auf Einladung der Fachkonferenz Familie des Dekanats Südsauerland waren dazu nicht nur Fachleute von Caritas und Familienzentren gekommen, sondern auch politische Verantwortungsträger. Fünf der sieben Bürgermeister des Kreises Olpe stellten sich auf Einladung des Dekanats der Diskussion.
von Nicole Voss
In seiner Begrüßung sagte der Dechant des Dekanats Südsauerland, Pfarrer Friedhelm Rüsche, Familie und Armut könne „schon sehr nah beieinanderliegen“. Die unbezahlte Arbeit in den Familien sei wertvoll und nachhaltig. „Das muss man erkennen. Die Familie ist gefährdet, weil sie scheitern und sich verrechnen kann.“
Martina Beckmann, Leiterin des Familienzentrums St. Marien in Lennestadt-Altenhundem verwies auf die zunehmende Zahl der „Mittagskinder“, bei denen die Eltern Probleme hätten, das Mittagessen zu bezahlen. Petra Albers, Vorstandsmitglied der Caritas im Kreis Olpe sagte: „Wir müssen Anwälte für die Familien sein und nehmen sie an die Hand. Viele sind verschuldet. Die Not hat sich um 10 bis 20 Prozent erhöht und Hilfe soll möglichst immer sofort erfolgen.“
Lieselotte Harnischmacher vom „Warenkorb Olpe“ berichtet, bei der Gründung des Warenkorbes sei der Grundgedanke gewesen, Überflüssiges zu verteilen. „Jetzt gilt es Fehlendes zu ersetzen. Es gibt auch die Bedürftigkeit, die man nicht sieht, beispielsweise fehlende Mittel für einen Schwimmbad- oder Kinobesuch.“ Lothar Epe, Vorsitzender des Caritas-Kreisverbandes und stellvertretender Bürgermeister von Olpe betonte, die Problematik werde größer. „Es geht nicht nur um Geld. Armut hat viele Facetten. Es ist nicht nur ein Thema für die Kommunen, da müssen alle kooperieren.“
Im Anschluss nutzten fünf der sieben Bürgermeister des Kreises Olpe die Gelegenheit, Stellung zu beziehen. Im Fokus der Stellungnahmen standen die Schwerpunkte der Investition in Bildung sowie der Verweis auf den Verlust der traditionellen Familie und dörflichen Vernetzung. Fazit der Veranstaltung: Armut bedeutet nicht nur fehlende finanzielle Mittel, sondern auch den Rückzug aus dem kulturellen und öffentlichen Leben.
Der Organisator der Podiumsdiskussion, die Fachkonferenz Familie des Dekanats Südsauerland, ist ein Gremium, das sich aus Vertretern der katholischen Kirchengemeinden und Pastoralverbünde sowie kirchlicher Institutionen, Gruppierungen und Verbände zusammensetzt. Es dient der Vernetzung und dem Austausch und setzt sich mit unterschiedlichen Themen aus dem Feld „Familie“ auseinander. Ausgangssituation war, dass die an der Fachkonferenz Beteiligten immer stärker mit dem Thema „Familie und Armut“ konfrontiert werden. Der Austausch im Vorfeld ergab, dass sich die Kirche zwar bereits an vielen Stellen engagiert, diese Angebote jedoch immer mehr an ihre Grenzen stoßen. Es entstehe der Eindruck, dass das Thema teilweise tabuisiert werde. Vor diesem Hintergrund entwickelte die Dekanatsfachkonferenz die Idee, auf die Situation in der Öffentlichkeit aufmerksam zu machen und das Gespräch mit Vertretern der örtlichen Politik zu suchen.
Mit der Diskussion wollte der Fachverband Familie des Dekanates Südsauerland einen Impuls geben für ein breiteres Engagement in diesem Bereich.





