St.-Hedwigs-Haus bildet mit europäischen Partnern Senior-Migranten aus
Experten fürs Leben
Oerlinghausen. Seit 20 Jahren konzentriert sich das Institut für Migrations- und Aussiedlerfragen insbesondere auf die Bildungsarbeit mit Russlanddeutschen. Etliche Lernpartnerschaften hat es bereits gegeben. Zwei weitere laufen bereits. An Land gezogen hat die katholische Heimvolkshochschule aber auch einen besonders dicken europäischen Fisch.
von Karin Prignitz
Für den Leiter des Hedwigs-Hauses, Dr. Johannes Stefan Müller, kommt der Zuschlag für das multilaterale Grundtvig-Projekt mit dem Titel
„UPS – Unused potentials of senior migrants-experts für life“ („Ungenutzte Potentiale von Senior-Migranten“) einer Sensation gleich. „Solche Projekte bekommen nur wenige.“ 274 Anträge aus ganz Europa seien eingereicht worden, bestätigt Koordinatorin Gabriele Meymann-Christians, „50 sind bewilligt worden“. Darunter der aus Oerlinghausen.
Grundgedanke des Projektes: Ältere Migranten sollen ausgebildet werden, um andere Neubürger in ganz unterschiedlichen Lebensbereichen unterstützen zu können. „Fremde und Migranten müssen sich in einer neuen Welt, in einer anderen Gesellschaft, in einem anderen Milieu zurechtfinden“, erläutert Gabriele Meymann-Christians den Ansatz. Alte Methoden gegenseitiger Hilfe und Betreuung könnten im anderen Umfeld oft nicht mehr gelebt werden. Auf der einen Seite gebe es viele ältere Migranten, die sich nutzlos fühlten und sich gerne neuen Aufgaben stellen würden, auf der anderen Seite solche, die dringend Hilfe benötigten. „Und diese Hilfe wollen viele lieber von Menschen aus dem eigenen Kulturkreis annehmen.“ Die Projektkoordinatorin nennt etwa die Kommunikation bei einem Krankenhausaufenthalt als Beispiel oder in Altenheimen und Schulen.
Das Europaprojekt möchte „Experten fürs Leben“ rekrutieren, die eine Brückenfunktion übernehmen sollen. „Parallel zum Auswahlverfahren läuft die Entwicklung eines innovativen Trainingsprogramms, mit dem die Senior-Migranten ausgebildet werden“, erläutert die Projektkoordinatorin. Über die eingesetzten methodisch-didaktischen Konzepte solle ein Handbuch verfasst werden, das europaweit verbreitet werden kann.
Nach ihrer Ausbildung sollen die Senior-Migranten etwa über Migrantenselbsthilfe-Organisationen, Kommunen, Integrationsagenturen und Wohlfahrtsverbände soziale Netze in den jeweiligen Partnerländern aufbauen.
„Migranten können damit bei gleichzeitiger Entlastung der Gemeinschaftskassen in allen Lebensbereichen unterstützt werden“, informiert Gabriele Meymann-Christians. Sie hatte sich bereits im Vorfeld auf die Suche nach kompetenten Partnern begeben. Mit im Projektboot sitzen auch die Aristotle University of Thessaloniki (Griechenland), die Ingrian Cultural Association Helsinki (Finnland), das Social Innovation Center in Siauliu (Litauen) und das Centro „Danilo Dolci“ in Palermo (Italien).
Der Projektumfang beträgt insgesamt rund 380 000 Euro. Verwaltet wird das Budget vom Oerlinghauser Institut. Insgesamt sollen 100 Senior-Migranten ausgebildet werden, 40 davon in der Heimvolkshochschule.







