Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Europaweiter Sonntagsschutz

von Andreas Wiedenhaus

Der Sonntag steht unter Dauerbeschuss: In einer Gesellschaft, die die Ökonomisierung aller Lebensbereiche permanent vorantreibt, gilt ein Tag, an dem nicht gearbeitet oder eingekauft werden kann und dementsprechend nichts erwirtschaftet wird, in den Augen vieler als ein verlorener Tag.

Vor diesem Hintergrund kann man die Gründung der „Europäischen Allianz für den arbeitsfreien Sonntag“ nur begrüßen: In Brüssel haben sich 65 Organisationen und Initiativen – darunter KAB, DGB, EKD und ZdK – zusammengeschlossen, um EU-weit den Sonntag als wöchentlichen Ruhetag zu schützen. Unter anderem werden gesetzliche Regelungen für den Gesundheitsschutz und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gefordert. 

Ob es sich bei dem Zusammenschluss auf europäischer Ebene wirklich um einen „Meilenstein für den arbeitsfreien Sonntag“ handelt, wie der CDU-Europaabgeordnete Thomas Mann optimistisch verkündet hat, wird sich zeigen: Das politische Parkett in Brüssel ist glatt, und die Zahl derjenigen, die in dieser oder jener Richtung Einfluss nehmen wollen, groß.

Tatsache ist aber, dass sich am Sonntagsschutz auf Dauer entscheiden wird, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Dazu ist es unerlässlich, „dicke politische Bretter zu bohren“ und seinen Standpunkt auch ein wenig „penetrant“ zu vertreten. Aber es kommt auch auf diejenigen an, die beim nächsten verkaufsoffenen Sonntag lieber einen Spaziergang in der „konsumfreien“ Natur unternehmen, statt durch Fußgängerzonen und Einkaufszentren zu schlendern, um dem „Sonntags-Shopping“ zu huldig


22.05.2012
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