Aktuelle Ausgabe
2009-01

180 Ordensleute kamen zum Diözesantreffen in das Paderborner Michaelskloster

Ohne Visionen kein Ordensleben

Sr. Ancilla, Oberin der Augustiner Chorfrauen in Paderborn, begrüßt als Gastgeberin die Teilnehmer am diesjährigen Ordenstag. Darunter auch Weihbischof Matthias König, Bischofsvikar für die Institute des geweihten Lebens.Foto: Vieler

Paderborn/Erzbistum. Über die Bedeutung von Visionen für die Existenz von geistlichen Gemeinschaften machten sich am vergangenen Samstag rund 180 Ordensleute Gedanken. Sie waren zum jährlichen Ordenstag im Paderborner Michaelskloster zusammengekommen.

von Gerd Vieler

Von Überlebensstrategien in apokalyptischen Zeiten sprach die Bibelwissenschaftlerin Dr. Annegret Meyer in ihrem Eingangsreferat. Im alten Testament seien häufig Propheten die Träger von Visionen gewesen. Und so überschrieb sie ihren Vortrag „Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein … und eure Alten werden Träume haben“. Um apokalyptische Erfahrungen zu haben, brauche nicht gleich die Erde zu beben und die Menschen zittern, räumte die Referentin ein. Solche Erfahrungen könne jeder in seiner Gemeinde und innerhalb der Kirche zu Hauf machen. In einigen Bereichen wie ihrer eigenen Frauengemeinschaft gleiche das, was die Ehrenamtlichen täten, eher einer Sterbebegleitung als dem Ausleben von Visionen und Träumen. Bei der Frage nach Visionen, die eine Zukunftsperspektive böten, herrsche ratloses Schulterzucken. Da sei häufig Fehlanzeige.
Gruppensoziologische Studien aber zeigten, dass an der Wiege einer neuen Gruppe, dazu zählt genauso die Kirche als gesamtes als auch einzelne Gruppen in ihr, immer Visionen stünden. Danach laufe der Entwicklungszyklus einer Gruppe immer gleichförmig ab: Die Visionäre suchten sich gleichgesinnte Menschen. Sie bilden Strukturen und Regeln aus und erreichen damit einen Zenit. Im Laufe der Entwicklung kämen aber die Visionen abhanden. Dann bleiben nur noch die Strukturen, die von einer Aristokratie und bis zum Tod von einer Bürokratie verwaltet würden. Aus diesem vorgegebenen Zyklus gelte es durch die Zufuhr neuer Visionen auszubrechen und sich einzulassen auf neue Propheten. Das könnten vor allem jüngere seine, die eine andere Vision von Zukunft hätten, weil sie ihren Lebensweg noch vor sich haben und nicht wie die alten auf ihn zurückblicken.
Bei der anschließenden Gesprächsrunde wurde deutlich, wie drängend für die anwesenden Ordensleute gerade mit Blick auf den fehlenden Nachwuchs diese Frage immer drängender wird.
In seinem Grußwort hatte Weihbischof Matthias König, Bischofsvikar für die Institute des geweihten Lebens, die Ordensleute zum Träumen ermutigt. Wer keine Träume habe, habe auch keinen Mut dafür zu kämpfen, das Reich Gottes mehr Wirklichkeit werden zu lassen in unserer Gesellschaft.
Der nächste Ordenstag findet Ende Oktober 2009 im Kloster der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut in Neuenbeken bei Paderborn statt.


07.01.2009
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