Paderborner Diözesanmuseum gewinnt kostbaren Deckelpokal zurück
„Ein kleines Wunder“
Paderborn. „Es war ein Kunstkrimi mit Happy End!“. Museumsdirektor Christoph Stiegemann war sichtlich erfreut. Und auch Erzbischof Hans-Josef Becker sprach von einem „Freudentag“. Anlass zu so viel Freude war ein prunkvoller Deckelpokal aus dem 18. Jahrhundert, den das Diözesanmuseum in Paderborn stolz präsentierte. Dabei war das Datum – der Namenstag des heiligen Liborius – mit Bedacht gewählt.
Der Pokal ist fest mit dem Erzbistum und der Liborius-Verehrung verknüpft“, betonte Stiegemann in seiner Rede, in der er die Geschichte des Pokals rekapitulierte. Angefertigt wurde das 38 Zentimeter hohe und teilvergoldete Kunstwerk im Jahr 1743 vom Augsburger Goldschmied Johann Jakob II Bruglocher. Das Stück war für den Paderborner Edelherrn Werner von der Asseburg bestimmt, dessen Familie über Jahrhunderte mit der Geschichte des Fürstbistums aufs Engste verbunden war. So brachte sie zahlreiche Domherren und mit Wilhelm Anton von der Asseburg einen bedeutenden Paderborner Fürstbischof hervor. Über 260 Jahre befand sich der prachtvoll verzierte Pokal im Besitz der Familie von der Asseburg auf der Hinnenburg bei Brakel. „Doch dann geschah das Unfassbare: der Pokal wurde 2005 in London versteigert“, erinnert sich Stiegemann.
„Wir waren darüber sehr traurig“, fuhr der Museumsdirektor fort. Denn der Pokal sei für die Liboriusverehrung von großer Bedeutung. Zum einen seien fünf Exemplare einer Gedenkmedaille in den Deckel des Pokals eingelassen, die 1736 für das 900-jährige Jubelfest der Überführung des hl. Liborius nach Paderborn gestaltet worden waren. Darüber hinaus ist der Pokal mit gestaffelt angeordneten Pfauenfedern verziert. „Da der Pfau erst seit dem 18. Jahrhundert als Symbol des heiligen Liborius erscheint, haben wir mit diesem Pokal einen der frühesten Belege dafür“, hob Stiegemann die spezielle Bedeutung des Werkes hervor.
Umso glücklicher sei er gewesen, als im März sein Telefon geklingelt habe. Am anderen Ende der Leitung war Hendrik Hanstein vom Kunsthaus Lempertz in Köln: „Rat mal, was auf meinem Schreibtisch steht!“ Hanstein hatte den Pokal mit Blick auf den Kölner Kurfürsten Clemens August erworben, dessen Minister Werner von der Asseburg gewesen war. Nun bot er ihn aber den Paderbornern an, weil er dort seinen rechtmäßigen Platz hätte. Stiegemann habe daraufhin sofort Erzbischof Becker informiert, der die einzigartige Bedeutung des Pokals für das Bistum sofort erkannt habe. „Daraufhin setzte er die nötigen Schritte in Gang“, so Stiegemann weiter. Möglich sei die wertvolle Neuerwerbung dann aber nur mit Hilfe zahlreicher Stiftungen und des Förderkreises des Museums gewesen, bedankte er sich bei den Geldgebern.
So konnte der über 300 Jahre alte Pokal wieder ins Erzbistum zurückkehren, wo er von nun an in der ständigen Ausstellung des Diözesanmuseums zu sehen sein wird.
„Es ist wirklich ein kleines Wunder, dass der Pokal nun vor uns steht“, freute sich Erzbischof Becker. Mit einem Augenzwinkern bat er die anwesenden Gäste allerdings, einen Punkt aus Christoph Stiegemanns Rede zu relativieren: „Ich habe die Bedeutung des Werkes nicht selbst erkannt, da musste mich der Museumsdirektor schon drauf aufmerksam machen!“ Nun sei er für ihn aber „ein einzigartiger Liborius-Pokal.
Birger Berbüsse




