Kommentar
Ernstfall der Nächstenliebe
Mit der jährlichen „Woche für das Leben“ – in diesem Jahr vom 25. April bis 2. Mai – stellen die evangelische und katholische Kirche behinderte Menschen in den Mittelpunkt. „Gemeinsam mit Grenzen leben“ heißt in diesem Jahr das Motto. Die bundesweite Eröffnung findet am 25. April in Lüneburg statt.
Gerd Vieler (52) ist
Chef vom Dienst des DOM
Gott muss die verschiedensten Gesichter haben, denn – so heißt es in der Bibel – er erschuf den Menschen nach seinem Bilde. Die ganze Bandbreite der göttlichen Ebenbilder stellt die „Woche für das Leben“ in den Mittelpunkt – nicht nur die auf dem Laufsteg der Normalfälle.
Durch die moderne Medizin ist nicht nur die Lebenserwartung der landläufig als gesund bezeichneten Menschen stark gestiegen, sondern die der stark Behinderten. So erreichen jetzt auch Schwerst-mehrfach behinderte Menschen das Erwachsenen- und sogar das Rentenalter.
Auf der anderen Seite heißt das eine tagtägliche Pflege wie im Säuglingsalter für Menschen im Rentenalter. Diese Herausforderung ist ungeheuer groß. Es gibt für die Pflegenden keine Aussicht auf eine grundlegende Verbesserung des Status quo. Ab einem bestimmten Punkt ist auch bei bestem Willen eine häusliche Pflege nicht mehr möglich, weil die personellen und organisatorischen Voraussetzungen fehlen.
Umso bemerkenswerter der Einsatz der Menschen, die sich in diesen Ernstfällen der Nächstenliebe um Ebenbilder Gottes kümmern, die zeitlebens einer intensiven Pflege bedürfen, wie sie sonst nur von Säuglingen und Kleinkinder her bekannt ist. Es ist eine Welt, die ohne eigene Erfahrung kaum jemand richtig ermessen kann.






