Gemeinsame Initiative von Stadt und Kirche für würdige Bestattungen Obdachloser
Endlich ein Ort der Trauer
Soest. „Menschenunwürdig!“ So bezeichnet Propst Josef Heers von der Soester Patrokli-Gemeinde die Tatsache, dass in der Stadt mittellos Verstorbene bislang eingeäschert und anonym bestattet wurden. Durch eine gemeinsame Initiative der christlichen Gemeinden und der Stadt soll dies nun ein Ende haben: Künftig wird es für jeden Toten eine Trauerfeier geben, und der Name des Verstorbenen wird auf einer Steinsäule festgehalten.
Wer bislang als obdach- oder mittelloser Mensch in Soest verstarb, wurde im Hammer Krematorium verbrannt. „Wenn zehn bis 15 Urnen zusammen waren, wurden diese dann anonym auf dem Hammer Friedhof beerdigt“, erklärt der Soester Diakon Peter Breuer von der Heilig-Kreuz-Gemeinde das bisherige Vorgehen. Alles eine Kostenfrage, sagt der Soester Pressesprecher Peter Knäpper: „Das Ordnungsamt ist für die Bestattung von Obdachlosen zuständig, und die soll so günstig wie möglich ausfallen.“
500 Euro mehr pro Begräbnis kostet die neue Lösung. Dafür weicht die Stadt auch von diesem Prinzip ab. Sie teilt sich die Kosten mit den beiden großen christlichen Kirchen in Soest. Zumal, wie der Pressesprecher hinzufügt, bei etwa 20 Sozialbestattungen im Jahr die Summe ohnehin in einem sehr überschaubaren Rahmen bleiben würden. Die Kirchen wollen ihren Anteil unter anderem durch Spenden und Kollekten aufbringen.
„Auf die ursprüngliche Vorgehensweise machte mich Peter Wiesrecker, der Leiter des evangelischen Pertheswerkes, aufmerksam“, erinnert sich Diakon Breuer. Schon lange bestehe zwischen dem Wohnheim für Menschen ohne festen Wohnsitz und der katholischen Heilig-Kreuz-Gemeinde enger Kontakt. Dass Obdachlose einfach so unter die Erde kämen, findet er wie Propst Josef Heers aus christlicher Sicht nicht akzeptabel. Auch fehle ihren Freunden, die sie ja natürlich auch hätten, dann die Möglichkeit zum Abschiednehmen und ein Ort zum Trauern.
Zusammen mit seinem evangelischen Kollegen Hendrik Mattenklodt habe er daraufhin dem Soester Bürgermeister Dr. Eckhardt Ruthemeyer sein „Unbehagen“ ausgedrückt. Dieser sei sogleich sehr offen für das Thema gewesen, habe aber auch die Kirchen in die Pflicht genommen. „Schließlich seien Bestattungen auch Sache der Kirche“, gibt Breuer den Wortlaut des Bürgermeisters wieder. Daraufhin seien jedenfalls alle Gemeinden der Stadt Soest, katholische wie evangelische angesprochen worden. Sogar die Freikirchen hätten sich an einer Lösung beteiligt. „Wir hatten also alle in einem Boot, das war wirklich klasse“, zeigt sich Breuer erfreut.
Die neue Regelung, die die Kirchen dem Bürgermeister im April vorschlugen, sieht nun vor, dass verstorbene Obdach- oder Mittellose in Werl eingeäschert, dann aber zurück nach Soest überführt werden. „Dort bekommt dann jeder Einzelne von ihnen eine würdige Trauerfeier“, sagt Diakon Breuer. Dies gebe Angehörigen und Freunden die Möglichkeit zum Abschiednehmen. Nach der Bestattung würden die Urnen im Grabfeld bestattet und der Name des Toten in eine Sandsteinsäule eingraviert. „Dadurch haben die Freunde der Verstorbenen einen konkreten Ort der Trauer“, weist Peter Breuer auf die Bedeutung dieser Geste hin.
Mit dem Mitte Juni unterzeichneten Vertrag zwischen Kirchen und Stadt soll aber noch nicht Schluss sein. „Wir überlegen, Gruppen zu bilden, die zu Beerdigungen gehen, zu denen sonst niemand kommt“, berichtet Peter Breuer. Solche Totenfeiern, so der Diakon, seien nämlich die traurigsten.
Birger Berbüsse







