Kommentar
Einiges gottloses Vaterland
von Matthias Nückel
20 Jahre deutsche Einheit – das ist an diesem Sonntag für die Politik wieder ein Grund zu feiern. Zwar sind nicht überall „blühende Landschaften“ entstanden, die Helmut Kohl einst den Bürgern im Osten versprach. Doch vielerorts in den neuen Bundesländern ist es aufwärts gegangen – zumindest wirtschaftlich.
Auf ein weniger erfreuliches Ergebnis der Einheit wies jetzt der Schweriner Weihbischof Norbert Werbs hin. Er meinte, Deutschland sei durch die Einheit gottloser geworden. Die Wende sei keine Wende zu Christus, sondern eine Wende zur D-Mark gewesen.
In der Tat: Bei den Rufen nach Einheit ging es meist nicht um christlich-abendländische Werte, auch nicht um nationale Ziele. Es ging um die D-Mark und den damit verbundenen Wunsch nach wirtschaftlichem Wohlergehen.
In den Tagen nach der Wiedervereinigung wurde schnell das Wort geprägt, Deutschland werde nun „östlicher und protestantischer“. Das war ein Trugschluss. Denn Deutschland wurde östlicher und gottloser.
Diese Entwicklung jedoch allein den Menschen in den östlichen Bundesländern zuzuschieben, wäre falsch. Auch vor der Einheit schon war die Erosion des Glaubens in der Bundesrepublik erkennbar. Die Entchristlichung hätte es auch ohne Einheit gegeben.
So haben viele Regionen Deutschlands 20 Jahre nach der Wiedervereinigung eines gemeinsam: sie sind Missionsland geworden. Andererseits jedoch suchen viele Menschen wieder nach Halt und Werten. Das ist die Chance, die die Kirche nun nutzen muss.






