Aktuelle Ausgabe
2012-20

KAB lud zur Mindestlohn-Debatte ein

Eine emotionale Sache

Vertreter aus Wirtschaft und Politik diskutierten über einen gesetzlichen Mindestlohn.

Rheda-Wiedenbrück. Sehr emotional ging es zu im Pius-Haus in Wiedenbrück, wohin die Bezirksverbände der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) Ostwestfalen-Nord und Paderborn-Höxter zu einer Diskussion über die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns eingeladen hatte.

Braucht Deutschland einen gesetzlichen Mindestlohn? Was ist gerechtes Einkommen und wie hoch muss ein Mindestlohn überhaupt sein? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Diskussionsrunde aus Vertretern von Arbeitgebern, Gewerkschaften, Verbänden und Politik, der rund 150 Interessierte lauschten.
Birgit Zenker, Bundesvorsitzende der KAB aus Köln, erläuterte, dass sich ihr Verband schon lange vor den Gewerkschaften für einen Mindestlohn stark gemacht hatte. Aktuell fordert die KAB einen Mindestlohn von 9,20 Euro. Wenn sich Deutschland auch zurzeit in einer Wirtschaftskrise befände, so sei aufgrund des Booms der Jahre 2006 und 2007 genug Geld vorhanden, um den Forderungen nach einem Mindestlohn Rechnung zu tragen. Bedenken, wonach viele Betriebe dann nicht mehr wettbewerbsfähig wären, wies Zenker mit dem Hinweis zurück, dass man auf Qualität der Produkte setzen müsse und dafür auch höhere Preise erzielen könne.
Ralph Brinkhaus, frisch gewählter CDU-Bundestagsabgeordneter, erklärte, dass ein flächendeckender Mindestlohn angesichts der unterschiedlichen Verhältnisse in den Wirtschaftsbranchen nicht sinnvoll sei. Gleichwohl müsse es aber Regelungen gegen Lohnwucher geben.
Martina Schu, Gewerkschaftssekretärin (ver.di) aus Bielefeld, wies darauf hin, dass fast ein Viertel aller Beschäftigten im „Niedriglohnbereich“ tätig sei. Niedriglöhne seien in erster Linie Frauenlöhne.
Burkhard Marcinkowski, Geschäftsführer des Unternehmerverbandes für den Kreis Gütersloh, vertrat die These, dass ein gesetzlicher Mindestlohn zum Verlust von Arbeitsplätzen führe und machte auch das Kaufverhalten der Verbraucher verantwortlich für die Situation. Wenn permanent nach der „Geiz-ist-geil“-Methode vorgegangen werde, dann dürfe man sich nicht wundern, wenn qualifizierte Betriebe auf der Strecke blieben.
Klaus Brandner, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, erklärte, dass er sich vom einstigen Gegner eines flächendeckenden Mindestlohns zu einem Befürworter gewandelt habe, da die vielbeschworenen Selbstregulierungsmechanismen des Marktes versagt hätten.
Einig waren sich alle darin, dass das Thema noch viel diskutiert werden müsse.


22.05.2012
Impressum | Kontakt
4002