Kommentar
Eine Wahl ohne Sieger

Bei der Europawahl in Deutschland war die Wahlbeteiligung mit 43,3 Prozent so niedrig wie noch nie zuvor in der Geschichte. Trotz klarer Stimmeneinbußen setzte sich die CDU/CSU vor der SPD durch, die meisten Stimmen gewann die FDP hinzu.
Birger Berbüsse (27) ist Volontär beim DOM
Am Sonntagabend standen sie dann wieder fest: Die Sieger und Verlierer der Europawahl 2009. Doch halt: Wenn nicht einmal jeder Zweite sein Kreuz auf dem fast einen Meter langen Wahlzettel gemacht hat, können wir dann wirklich von einer Wahl reden? Ganz klar: Nein, können wir nicht. Um aus dem Ergebnis noch eine Legitimation zu ziehen, gehört schon viel Fantasie. Eine Wahlbeteiligung von nur knapp 43 Prozent müsste wie ein Schock wirken:
Denn das muss man sich einmal vor Augen führen: Das Parlament, das mittlerweile über die wichtigsten Aspekte unseres Lebens entscheidet, hat die deutlich geringste Legitimation dies zu tun. Aber wer ist daran Schuld?
Es ist sehr einfach und gerade auch sehr beliebt, diesen schwarzen Peter den Politikern selbst zuzuschieben. Und zwar mit Recht. Denn über alle Parteigrenzen hinweg haben sie es versäumt, den Bürgern die enorme Bedeutung Europas, des Parlaments und damit auch dieser Wahl deutlich zu machen. Stattdessen tauchen die werten Herren und Damen erst kurz vor dem Wahltag auf, dann aber mit ihren ewig gleichen und nichtssagenden Phrasen.
Dennoch muss sich auch der mündige Bürger einen Vorwurf machen lassen: Sich heutzutage selbst zu informieren, dürfte nicht allzu schwer fallen. Und wer in den nächsten fünf Jahren in das Meckern über Europa einstimmen will, der hätte auch wählen sollen.






