Aktuelle Ausgabe
2012-20

Welche Akzente das St.-Franziskus-Berufskolleg in der veränderten Bildungslandschaft setzt

Eine Schule ständig „im Fluss“

Sändig bemüht, die neuen Anforderungen der Bildungslandschaft zu erfüllen: Dr. Uta-Heimann-Störmer, Martina Rolke und Schul­leiter Josef Brockmeyer.Foto: Berbüsse

Hamm. „Die Entwicklung von Berufsschulen in den vergangenen Jahren ist unglaublich“, sagt Josef Brockmeyer. Er muss es wissen. Schließlich blickt der Schulleiter des St.-Franziskus-Berufskollegs in Hamm auf über zwanzig Jahre an seiner Schule zurück. Deshalb weiß er, dass sich die Bildungslandschaft und die Anforderungen an die Schulen ständig verändern, also „im Fluss“ sind. Mit seinen Kollegen ist er deshalb stets bemüht, neue und wichtige Akzente in der Ausbildung zu setzen.

von Birger Berbüsse

450 Schüler werden am St.-Franziskus-Berufskolleg von insgesamt 35 Lehrern betreut. Für sie gibt es an der Schule in Trägerschaft des Erzbistums Paderborn viele Möglichkeiten, einen Abschluss zu machen. Staatlich anerkannter Erzieher oder Sozialhelfer stehen auf der beruflichen Seite zur Wahl. Bei den schulischen Abschlüssen gibt es die Fachoberschulreife, die Fachhochschulreife, die fachgebundene oder die allgemeine Hochschulreife, also das klassische Abitur. Dies alles kann miteinander verbunden und verknüpft werden, sodass den Schülern viele Möglichkeiten offenstehen sollen.
Die Berufsfelder, in denen sie später einmal arbeiten, reichen von Kindertageseinrichtungen und offenen Ganztagsschulen bis zum sonderpädagogischen Bereich und Jugendpsychiatrien.
„Die Ansprüche an die Bildung, besonders auch im vorschulischen Bereich, wirken sich natürlich sehr auf unsere Ausbildung aus“, erklärt nun Schulleiter Josef Brockmeyer. Er nennt die Auswirkungen der Pisa-Lernstandserhebungen und den stärkeren Fokus auf intensivere Sprachförderung als zwei Beispiele. Aber auch neue Gesetze wie „Kibiz“ müssten berücksichtigt werden. So sei das Berufskolleg zum einen von den Anforderungen an Schulen, aber auch von dem, was in der beruflichen Praxis verlangt werde, geprägt.
Um diese entsprechend umzusetzen, würden Konzepte erarbeitet, die alle Arbeitsfelder berücksichtigten, beschreibt die Fachvorsitzende der Didaktik, Martina Rolke, die Herangehensweise der Schule. Diese Konzepte seien jedoch niemals fest, „sondern immer im Fluss“. Drei Akzente seien besonders wichtig, um in der veränderten Bildungslandschaft erfolgreich zu sein, weiß Oberstudienrätin Dr. Uta Heimann-Störmer.
Als erstes sei da die Vernetzung nach Innen und Außen zu nennen. „Innen“ bedeute, dass die Schüler sich ihre Schullaufbahn selbst zuzsammenstellen könnten: „Sie wandern“, erläutert Heimann-Störmer. Die einzelnen Studiengänge müssten dafür natürlich sehr gut aufeinander abgestimmt sein. Die „Vernetzung nach Außen“ betreffe die zahlreichen Praxisstellen, an denen die Schüler des Berufskollegs arbeiten würden. Dazu gebe es auch zahlreiche Projekte mit den Einrichtungen oder Dozenten aus der Praxis.
Der zweite Akzent sei die Sprachförderung, sagt Martina Rolke. Dabei gebe es einen fließenden Übergang zwischen dem beruflichen Bezug und der persönlichen Förderung der Schüler. Sie nennt das Vorstellen und Erarbeiten verschiedener Sprachprogramme und den Zweitsprach­erwerb als Beispiele.
Drittens sei die Überschaubarkeit sehr wichtig, betont Heimann-Störmer und meint zweierlei: Zum einen sei die Schule zwar klein, aber für die Schüler äußerst vielseitig in den Möglichkeiten. „Zum anderen ermöglicht unsere Größe eine bessere Beziehung von Lehrern und Schülern“, glaubt Schulleiter Josef Brockmeyer. Dies sei auch notwendig, um den ganzheitlichen Anspruch des Berufskollegs gerecht zu werden.
Für Brockmeyer ist auch die katholische Trägerschaft von großer Bedeutung. So profitiere die Schule von der engen Verzahnung mit kirchlichen Institutionen wie der Caritas, Kindergärten oder dem Pfarrverbund Hamm-Mitte. Und natürlich profitiere davon auch die Kirche: „Die zieht sich bei uns quasi den Nachwuchs an sozialpädagogischen Erziehern heran“, schmunzelt der Schulleiter.


22.05.2012
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