Aktuelle Ausgabe
2012-20

KAB diskutierte im Paderborner Rathaus über verkaufsoffene Sonntage

Eine Plage oder ein Segen?

Sprachen über den Sonntag: Katja Hübner, Diözesansekretärin der KAB, Moderatorin Brigitte Büscher, Frank Brenscheidt, Anne Kersting, Jürgen Behlke, stv. Bürgermeister, Unternehmer Dietrich Honervogt, Matthias Goeken, Magdalena Brieden, Vorsitzende des KAB-Bezirks Paderborn-Höxter, Markus Wallmeyer, KAB-Vorsitzender Ostwestfalen-Nord, Daniel Sieveke und Burkhard Schlotmann (v. l.). Foto: Mischer

Paderborn/Erzbistum. Haben Sie sonntags schon einmal frische Brötchen gekauft? Für Magdalena Brieden ist der sonntägliche Gang zum Bäcker ein Problem. Denn die Vorsitzende der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bezirksverband Paderborn-Höxter vertritt eine klare Position: „Der Sonntag muss ein Sonntag bleiben.“ Der letzte Tag der Woche sei der Familie und dem Messebesuch vorbehalten und dürfe deshalb nicht dem Profit untergeordnet werden. Diese Meinung teilten nicht alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion zum Thema „verkaufsoffener Sonntag“ im historischen Rathaus der Domstadt.

von Ralf Mischer 

Zu dem Meinungsaustausch hatten die Bezirksverbände Paderborn/Höxter und Ostwestfalen-Nord der KAB ins historische Rathaus geladen. Wie schon vor einem Jahr, als die KAB in Rheda-Wiedenbrück mit Experten über das Thema Mindestlöhne diskutierte, übernahm „Hart aber Fair“-Redakteurin Brigitte Büscher die Moderation.

Vorab reichte sie aber der Gastgeberin das Mikrofon. Magdalena Brieden erinnerte an die biblische Dimension des Sonntags: „Gott selbst hat am siebten Tag geruht.“ Nicht zuletzt deshalb habe die KAB gemeinsam mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und anderen Gruppen die „Allianz für Einen freien Sonntag“ ins Leben gerufen, die gegen eine Ausweitung der Sonntagsöffnung kämpft. 

Ein solcher Kampf ist in den Augen von Anne Kersting völlig unangebracht. Für die Unternehmerin biete der Handel Dienstleistungen an „und richtet sich nach den Menschen und dem Zeitgeist“. Es sei „schön, auch mal sonntags zu arbeiten“, meinte sie. Ihre Angestellten jedenfalls hätten bisher immer gern am Sonntag hinter der Verkaufstheke gestanden. 

Der Bäcker und Unternehmer Matthias Goeken betonte, dass der Sonntag in seinen 42 Filialen umsatzmäßig „einer der stärksten Tage in der ganzen Woche“ sei. Der Leiter der Industrie- und Handelskammer-Zweigstelle Paderborn-Höxter, Jürgen Behlke, räumte ein, dass er selbst ganz gern mal einen sonntäglichen Einkaufsbummel macht. Eine strikte Ablehnung der Sonntagseinkäufe geht in seinen Augen „an der Realität vorbei“. Denn längst gehe nicht mehr jede Familie sonntags in die Kirche. Wenn man den Kirchgang als Argument für ein Verbot für Sonntagsöffnung ins Feld führe, mache man den Wunsch zum Vater des Gedankens. Das Publikum vertrat da jedoch eine ganz andere Meinung: Ein älterer Herr betonte, er nutze den Sonntag ausschließlich für Kirchenbesuche, ausgedehnte Spaziergänge und Familientreffen. Eine Frau sah in der Sonntagsarbeit gar „eine Plage für den Menschen“.

Dem pflichtete Frank Brenscheidt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zumindest teilweise bei. „Ja, Sonntagsarbeit macht krank“, räumte er ein. Mögliche negative Folgen einer übermäßigen Sonntagsarbeit: Schlafstörungen, Irritationen des Magen-Darm-Traktes oder Herzrhythmusstörungen. Aus diesem Grund dürften Jugendliche grundsätzlich nicht sonntags arbeiten. Doch messbare Effekte treten erst auf, wenn man regelmäßig sonntags Dienst schieben  muss: „Wenn man einmal im Monat am Sonntag arbeitet, dann hat das schon messbare Effekte“, sagte er. Wenn jedoch, wie in Paderborn, nur lediglich viermal im Jahr die Geschäfte sonntags ihre Türen öffnen, ließen sich bei den Beschäftigten noch keine signifikanten Verschlechterungen des Gesundheitszustandes feststellen. Außer Frage stehe, dass dem Sonntag eine ganz besondere Erholungsfunktion zukomme. Diese positive Wirkung des Ruhetages am Ende der Woche ließe sich, Studien zufolge, auch nicht durch andere freie Tage kompensieren. Dem pflichtete eine Frau aus dem Publikum bei: „So ein Ersatztag ist nichts wert. Denn ich bin alleine und die Familie ist in der Schule oder bei der Arbeit“, sagte die Frau, die als Bäckereifachverkäuferin nach eigenen Angaben von ihrem Chef immer wieder zur Sonntagsarbeit genötigt wird. 

In Paderborn sitze man ohnehin „auf einer Insel der Glückseligen“. Das stellte die Diözesansekretärin der KAB, Katja Hübner, klar. Denn in NRW seien vier verkaufsoffene Sonntage erlaubt. In Paderborn gibt es nur drei. Das sei nicht zuletzt den vertrauensvollen Verhandlungen zwischen Kirche, Wirtschaft und Stadt zu verdanken. Paderborn also als Vorbild? Viele Zuhörer im Publikum äußerten trotzdem die Befürchtung, dass die Regelungen zur Sonntagsöffnung „von innen ausgehöhlt“ werden. In Paderborn – und im gesamten Erzbistum. 


22.05.2012
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