Aktuelle Ausgabe
2012-20

Die Barockorgel der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Borgentreich stand früher in Dalheim

Eine Orgel von Weltruhm

Borgentreich. Die Orgel in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist zu Borgentreich ist mit 45 Registern auf 3 Manua-len und Pedal sowie 3019 Pfeifen die größte Barockorgel in Westfalen. 

von Jörg Kraemer

Das Borgentreicher Instrument zählt zu den wichtigsten historischen Orgeln Europas. Neben dem Pfeifenbestand, der in Teilen um 1600 datiert wird, ist die Verwendung der nur noch selten anzutreffenden Springladentechnik für ihre Bedeutung verantwortlich. Seit 2006 zählt die größte doppelte Springladenorgel weltweit darüber hinaus aus geschichtlichen, technischen, musikalischen und architektonischen Gründen zu den nationalen Denkmälern der Bundesrepublik.

Von 2005 bis 2011 wurde die Orgel umfassend restauriert in der sächsischen Orgelbaufirma Hermann Eule in Bautzen. Finanziert wurde das 1,7 Millionen Euro umfassende Projekt vom Land Nordrhein-Westfalen, dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Stadt Borgentreich, dem Erzbistum Paderborn sowie einem in Borgentreich ansässigen Förderverein, der zum größten Teil den erforderlichen Eigenanteil der Kirchengemeinde aufgebracht hat. 

Bis 1803 stand das Instrument als klösterliche Festorgel im ehemaligen Augustiner-Chorherren-Stift Dalheim, bis es im Zuge der Säkularisation nach Borgentreich in die kleinere Vorgängerkirche der heutigen Pfarrkirche St. Johannes Baptist gelangte. Als erste neugotische Kirche Westfalens hat das 1836 errichtete Gotteshaus auch baugeschichtliche Bedeutung.

Als gewachsenes Instrument stellt die ehemalige Dalheimer und heutige Borgentreicher Orgel ein faszinierendes Denkmal dar, das mit der langen und kontinuierlichen Geschichte die Entwicklung der Orgelbaukunst von der Renaissance bis zum Spätbarock in sich dokumentiert.

Die ältesten Teile des Instruments entstammen einer Renaissance-Orgel der bedeutenden Orgelwerkstatt der Familie Bader, die im 17. Jahrhundert in zwei Generationen das Hauptwerk und das Brustwerk der Orgel geschaffen haben. Im Zeitraum 1705-1710 erhielt sie durch den ursprünglich aus Thüringen stammenden Orgelbauer Johann Jacob John ihr heutiges prächtiges Antlitz einer Barockorgel. Er erweiterte mit seinen Gesellen, den Gebrüdern Reineke aus Waldeck, das Instrument um ein Rückpositiv und ein freies Pedal, wobei das Renaissance-Gehäuse unter der barocken Schauseite bis heute erhalten blieb. Mitte des 18. Jahrhunderts arbeitete der Lippstädter Orgelbauer Johann Patroklus Möller an der Orgel und fügte ein weiteres Register hinzu. Ein weiterer, bislang nicht eindeutig identifizierter Orgelbauer veränderte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Disposition im Pedal und im Hauptwerk geringfügig.

Seit der Orgelweihe am 14. Mai können Besucher von Gottesdiensten und Konzerten in ein faszinierendes Klangbild eintauchen, das Kunde gibt vom Kunstsinn und der musikalischen Klangwelt vorangegangener Generationen.

Die Existenz der Orgel führte 1980 zur Gründung des ersten Orgelmuseums in Deutsch-land. Es befindet sich im direkt der Kirche gegenüberliegenden ehemaligen Rathaus der Stadt Borgentreich.

Info

Am Samstag, dem 28. Mai, findet in Borgentreich ein Workshop zur Orgelrestaurierung statt. Er dauert von 10 bis 16 Uhr. Anmeldung unter 05642/339. 

Am 18. Juni um 17 Uhr findet in der Pfarrkirche Borgentreich ein Orgelkonzert „Von Byrd bis Bach“ statt, am 9. Juni um 17 Uhr ein Orgelkonzert, in dem Gerhard Weinberger aus Detmold Werke von Johann Sebastian Bach spielt. Am 13. August um 17 Uhr stehen ebenfalls Bach-Werke auf dem Programm.

 

 

 


22.05.2012
Impressum | Kontakt
4002