Aktuelle Ausgabe
2012-20

Mülheim-Sichtigvor feiert hundertjähriges Jubiläum einer Wunderheilung in Lourdes

Ein starkes Glaubenszeugnis

Noch heute beten laut Pfarrer Sauerwald viele Menschen an der Lourdes­grotte neben der Pfarrkirche. Sie wurde vor 75 Jahren eingeweiht.

Sichtigvor/Mülheim. In Brasilien, China, Taiwan, Vietnam, auf den Philippinen und in Namibia gedachten in diesen Tagen Tausende Katholiken einer Wunderheilung in Lourdes und deren Folgen. Aber auch im Kirchspiel Mülheim-Sichtigvor, im Stadtgebiet von Warstein, erinnerten sich die Katholiken an das Ereignis vom 15. August 1909.

von Dirk Lankowski

Die damals in den beiden Möhnedörfern tätige Lehrerin Elisabeth Tombrock wurde in Lourdes von einer schweren Tuberkulose geheilt. Ein Jahr später begleitete sie Bischof Amandus Bahlmann nach Brasilien und gründete im Jahr 1910 den Orden der „Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis der Mutter Gottes“. Die Schwestern sind heute in pas­toralen, sozialen und erzieherischen Aufgaben weltweit tätig.
Anlässlich dieses Jubiläums besuchten die Missionsschwestern aus Münster in der vergangenen Woche die Pfarrgemeinde St. Margaretha an der Möhne, um an der alten Wirkungsstätte ihrer Gründerin zu beten. An Mariä Himmelfahrt selbst feierte die Münsteraner Ordensniederlassung ein Pontifikalamt mit Münsters Weihbischof Dr. Franz-Josef Overbeck. Parallel dazu fand am Wochenende das Pfarrfest in der St. Margaretha-Gemeinde Mülheim unter dem Motto „Wunder gibt es immer wieder“ statt.
Mülheims Pfarrer Josef Sauerwald weiß um die Bedeutung dieses großen Ereignisses vor hundert Jahren. Noch heute ist in der Gemeinde eine tiefe Marienfrömmigkeit zu spüren: „Ich sehe noch heute viele Menschen, die an der Grotte beten“, erklärt Pfarrer Sauerwald. Im Jahr 1934 wurde diese große
Lour­des­grotte zur Feier der 25. Wiederkehr des Tages der wundersamen Heilung neben der Pfarrkirche eingeweiht. Auch Wallfahrten werden regelmäßig nach Lourdes angeboten. Erst vor einigen Wochen kehrten 40 Pilger um Pfarrer Josef Sauerwald aus dem Kirchspiel von einer Lourdes-Wallfahrt zurück.
Dass es aber neben der Lourdes-Darstellung an der Kirche zwei weitere Lourdes-Grotten gibt, ist selbst den meisten Bewohnern des Kirchspiels unbekannt, wie Ortsheimatpfleger Willi Hecker weiß. „Die Darstellungen sind nicht besonders wertvoll“, so Willi Hecker, „doch sie geben Zeugnis für den Glauben der Menschen.“ So ist eine große Darstellung in der alten Klosterkapelle auf dem Schwesternfriedhof untergebracht. Hinter dem alten Verwaltungsgebäudes des Schlosses des Deutschen Ritterordens und ehemaligen Klosters befindet sich eine weitere kleine Grotte.
„Ich hoffe, dass die Menschen für das Wunder von damals noch empfänglich sind und ihr Glaube so weiter wächst“, hofft Pfarrer Sauerwald anlässlich der 100. Wiederkehr des Wunders. „Es lohnt, sich mit Elisabeth Tombrock zu beschäftigen, sie hat uns ein starkes Glaubenszeugnis hinterlassen“, sagt der Geistliche.
Mit zwanzig Jahren war die Lehrerin schwer an Tuberkulose erkrankt und hatte einen baldigen Tod vor Augen. Zuversichtlich, dass ihr dort geholfen würde, pilgerte die marienfrömmige Elisabeth nach Lourdes. Während der großen Prozession an Mariä Himmelfahrt spürte sie plötzlich am ganzen Körper einen Kälteschauer. Kurz danach erreichte eine Postkarte von ihr die Heimat: „Bin geheilt. Gruß, Elisabeth“. Danach stellte sich Elisabeth Tom­brock in den Dienst Gottes. Ein Jahr nach ihrer Heilung ging sie nach Brasilien, wo sie einen Orden gründete, um den Jugendlichen zu helfen.


22.05.2012
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