Kommentar
Ein Urteil, das es nicht gibt
In einer Pressekonferenz hat die Geschäftsführung des Kolping Bildungswerk gGmbH nun das Urteil des Kirchlichen Arbeitsgerichtshofes kommentiert, dessen Umsetzung sie jedoch ignorieren wollen.
Christian Schlichter (45) ist Chefredakteur des DOM
Dazu gehört schon ein gehöriges „Selbstbewusstsein“. Der DOM-Redaktion sogar mit der Staatsanwaltschaft drohen, weil es angeblich gar kein Urteil, sondern nur eine Entscheidung gibt – um dann zwei Wochen später genau zu diesem Urteil eine Pressekonferenz abzuhalten.
Dazu gehört schon eine ganz eigene Weltsicht: Den Diözesanrat von Kolping in einer Erklärung an den DOM festschreiben zu lassen, dass Kolping nur ein freier Zusammenschluss von Gläubigen sei. Und zugleich zwei Wochen später eingestehen zu müssen, dass genau das von einem durch die Bischofskonferenz und den Heiligen Stuhl legitimierten Gericht ganz anders gesehen wird.
Dazu gehört schon eine fast prophetische Weitsicht. Bei einer Pressekonferenz felsenfest die Überzeugung zu vertreten, der Erzbischof werde Kolpings Bildungsaktivitäten schon aus der Kirchlichkeit entlassen. Obwohl darauf bislang aber auch gar nichts hindeutet.
Eine Pressekonferenz, die zum Offenbarungseid wurde, die angefüllt war mit einer Legitimation, dass der gute Zweck der beruflichen Bildung die Mittel des Verzichtes auf kirchliches Arbeitsrecht heiligt, hat jetzt die ganze Kolpingmisere bestätigt. Da hilft alles nichts: Die Ehrenamtlichen müssen jetzt Farbe bekennen. Und zur Not in die Tasche greifen. Um den angelaufenen Schaden zu reparieren. Denn wieso sollte das Bistum eine Musik bezahlen, die Kolpinger gemäß ihres Satzungszweckes, aber außerhalb der Kirche bestellt haben?






