Wie kann die katholische Kirche mit dem Imageverlust durch die Pius-Brüder umgehen?
Ein „Tsunami“ für den Papst
Iserlohn. Die römisch-katholische Krise musste in den letzten Wochen eine schwere Krise erleben. Das Image Papst Benedikts XVI. hat durch seine umstrittenen Entscheidungen im Blick auf die traditionalistische Pius-Bruderschaft vor allem in Deutschland erheblichen Schaden genommen. Wie kann die katholische Kirche vor Ort mit diesem Vertrauensverlust umgehen? Diese Frage diskutierte Monsignore Dr. Michael Menke-Peitzmeyer, der persönliche Referent des Erzbischofs von Paderborn, vor etwa 80 Zuhörern in der Reformierten Stadtkirche Iserlohn.
von Lars Klinnert
In seinem Vortrag blickte Menke-Peitzmeyer zunächst auf das bisherige Pontifikat des deutschen Papstes zurück. Schließlich dürfe dieses nicht nur von einem einzigen Ereignis her beurteilt werden. Anhand der BILD-Schlagzeile „Wir sind Papst“ erläuterte Menke-Peitzmeyer den hoffnungsvollen Start Benedikts XVI. Von Anfang an habe es jedoch immer wieder auch Irritationen gegeben, zum Beispiel über sein Verhältnis zu den anderen christlichen Kirchen.
Diplom-Theologe Jörg Heinemann gab einen informativen Überblick über den Konflikt mit der konservativen Pius-Bruderschaft. Die selbst für Vatikanexperten überraschende Wiederaufnahme der vier umstrittenen Bischöfe, unter ihnen der Holocaustleugner Richard Williamson, habe in der internationalen Öffentlichkeit geradezu einen „Tsunami“ ausgelöst. Dass Benedikt XVI. in seinem Brief an alle Bischöfe der katholischen Kirche vom 10. März schließlich Verfahrens-, Kommunikations- und Managementpannen eingestanden und strukturelle Veränderungen im Umgang mit den traditionalistischen Bewegungen angekündigt habe, sei ein singuläres und daher beachtenswertes Ereignis, urteilte Heinemann. Zu begrüßen sei auch, dass sich inzwischen die Pius-Bruderschaft selber von Williamsons Äußerungen distanziert habe.
Menke-Peitzmeyer forderte bei aller berechtigten Kritik aber einen fairen Umgang mit dem Papst. Dessen positive Einstellung zum Judentum sei unzweifelhaft. Leider habe es jedoch „eine Kampagne gegen die katholische Kirche mit gezielten Desinformationen“ gegeben. So sei die Aufhebung der Exkommunikation in der Presse oft fälschlicherweise als vollständige Rehabilitierung der umstrittenen Pius-Brüder dargestellt worden. „Beim Weltjugendtag 2005 haben wir hinsichtlich der öffentlichen Wahrnehmung sehr von den Medien profitiert“, bilanzierte Menke-Peitzmeyer: „Jetzt erleben wir gerade das genaue Gegenteil.“
Zu einem angemessenen Verständnis sei jedoch eine intensive Auseinandersetzung mit der Person und der Theologie Joseph Ratzingers vonnöten. Dieser verstehe seine Amtsführung eher dogmatisch als politisch; Benedikt XIV. wolle die katholische Glaubenslehre ins Zentrum seines Pontifikats stellen. Gerade deshalb liege ihm der echte Dialog über theologische, liturgische und ethische Fragen ganz besonders am Herzen. Dies beinhalte auch, um der Einheit der Kirche willen die Hand zur Versöhnung auszustrecken. „Ich würde mir allerdings wünschen, dass diese Verständigungsbemühungen in alle Richtungen verfolgt würden“, betonte Menke-Peitzmeyer. Es sei schließlich eine berechtigte Anfrage, warum der Papst hauptsächlich auf konservative, kaum aber auf liberale Abweichler zugehe.
Auf jeden Fall müsse in nächster Zeit über den künftigen Status der Pius-Bruderschaft in der katholischen Kirche weiter beraten werden. Wer wie diese das Zweite Vatikanische Konzil ablehne, mache einen Schritt zurück ins 19. Jahrhundert. Doch müsse die kirchliche Tradition von ihrem Selbstverständnis her „ständig in Bewegung bleiben“, so lautete Menke-Peitzmeyers Fazit.
Die Diskussion in der Reformierten Stadtkirche war als Ökumenisches Sonntagsgespräch von der evangelischen und der katholischen Innenstadtgemeinde in Iserlohn gemeinsam organisiert worden. Nach der durchweg guten Resonanz sind nun weitere Veranstaltungen dieser Art geplant.







