Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gewaltberatung für Männer des Katholischen Sozialdienstes Hamm zieht nach einem Jahr Bilanz

„Echte Männer reden“ – in Hamm

Ausdrucksstark: Auf Streichholzbriefchen und Flyern wirbt der Katholische Sozialdienst Hamm (KSD) für seine Gewaltberatung für Männer. Foto: KSD

Hamm (rtl). Gewalt ist kein Thema, über das man gerne spricht. Erst recht nicht, wenn es sich um häusliche Gewalt handelt. Diesem Schweigen setzte der Katholische Sozialdienst (KSD) Hamm vor einem Jahr eine neue Beratungsstelle für gewaltbereite Männer entgegen. Mit Erfolg, wie die erste Bilanz zeigt.  

„Nach und nach nehmen immer mehr Männer die Beratung an“, lautet das erste Zwischenfazit von KSD-Geschäftsführer Andreas Thiemann. Die Voraussetzungen für eine solche Beratungsstelle waren gut, gab es bis dato doch noch kein derartiges Angebot in der Region. Dennoch: „Wir wussten, es braucht Zeit“, so Thiemann, „stellen aber erfreut fest, dass Männer durchaus bereit sind, an sich und ihrem Verhalten zu arbeiten.“

25 Männer haben im vergangenen Jahr den Kontakt zur Gewaltberatung aufgenommen, Tendenz steigend. Und das Erfreuliche: Bei vielen der Männer ist dies der erste Schritt zu einem längeren Beratungsprozess, in dem sie die Verantwortung für ihre Taten übernehmen und lernen, ihr Verhalten zu ändern. Zwar gab es auch Fälle, in denen die Beratung abgebrochen wurde, dennoch seien einige dieser Männer wiedergekommen.

In der vertraulichen Beratung geht es für die Männer erst einmal darum, sich mit ihrer Lebensgeschichte und ihrer aktuellen Lebenssituation auseinanderzusetzen und anhand dessen herauszufinden, wie es zu der Tat überhaupt kommen konnte. „Wir wissen, dass gewalttätiges Verhalten erlernt wird, und dass es in der Macht der Männer liegt, dieses Verhalten zu ändern“, erklärt Gewaltberater Andreas Moorkamp.

In einem zweiten Schritt geht es darum, das erlernte Verhalten zu ändern, Alternativen zur Gewalt aufzuzeigen, um Frauen und Kinder besser schützen zu können. 

Häusliche Gewalt ist weder eine Frage des Alters noch des sozialen Milieus. „Vom gerade Volljährigen bis zum über 50-Jährigen reicht die Altersspanne. Ebenso ist es bei der beruflichen Situation: Facharbeiter, Pädagogen, Geschäftsführer, Arbeitslose“, erklärt Thiemann. Und auch Moorkamp bestätigt: „Häusliche Gewalt ist kein Randgruppenphänomen.“ Was die Häufigkeit solcher Taten angeht, sind die Zahlen erschreckend. So geht die Bundesregierung davon aus, dass jede fünfte Frau in Deutschland im Laufe ihres Lebens Opfer von Beziehungsgewalt wird. Die Dunkelziffer ist hoch, denn nur ein geringer Teil der Taten wird überhaupt bekannt.

Die Kontaktaufnahme zur Gewaltberatung in Hamm erfolgt über eine Telefon-Hotline, über die der Anrufer direkt mit dem Berater verbunden wird und ein erster Termin vereinbart werden kann. Im ersten kostenfreien Kontaktgespräch wird dann auch eine mögliche Kostenbeteiligung des zu Beratenden geklärt.

Da die Kontaktaufnahme meistens eines Impulses bedarf, hat der KSD auch Flyer und Streichholzbriefchen entwickelt, die derzeit an Sportvereine, Arztpraxen, soziale Einrichtungen und Gaststätten verteilt werden.

Info

Weitere Informationen zur Gewaltberatung gibt es beim Katholischen Sozialdienst (KSD) Hamm, Stadthausstraße 2, 59065 Hamm, Tel. 0 23 81/ 9 24 51-0, E-Mail: info@ksd-hamm.de oder im Internet unter: www.ksd-hamm.de. Gewaltberater Andreas Moorkamp ist unter der Hotline 01 75/


22.05.2012
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