Aktuelle Ausgabe
2012-20

Inge Moenikes arbeitete mit 75 Jahren in einem Kinderheim bei Jerusalem

Du musst nur dein Herz öffnen

„Die Kinder haben Freude und Spaß. Das ist ganz wichtig“, sagt Inge Moenikes – hier mit einem der Kinder beim Radfahren.

Unna. Drei Monate hat Inge Moenikes in einem Kinderheim bei Jerusalem gearbeitet – und das mit 75 Jahren. Im Heim St. Vincent half sie bei der Betreuung von 60 schwer- und schwerstbehinderten Kindern und Jugendlichen. 

von Matthias Nückel 

„Ich berichte nicht über meine Arbeit in Jerusalem, weil ich eitel wäre“, betont Inge Moenikes. „Ich möchte vielmehr Vorbild sein für all die alten Menschen, die manchmal schon mit 60 Jahren glauben, das Leben sei gelaufen.“ Vorbildlich ist es in der Tat, was die 75-Jährige gemacht hat. Sie reiste nach Jerusalem, um zu helfen – sowohl finanziell als auch tatkräftig.

Mit Geld konnte sie dem Kinderheim unter die Arme greifen, weil einerseits 8000 Euro auf ein Spendenkonto bei der Kirchengemeinde St. Katharina eingegangen waren, und sie andererseits selbst noch einmal 2000 Euro drauflegte. Geholfen beim Spendensammeln hat auch die Aktion „Männer machen Meilen“. Sieben Männer – Edgar Terhorst, Christian Dettmer-Prause, Rüdiger Damm, Heinz Westergerling, Detlef Angersbach, Michael Grünewald und Alfred Riedel – waren 2010 in sechs Etappen von Unna zum Ökumenischen Kirchentag nach München geradelt. Jeder trat für ein soziales Projekt in die Pedalen. Zwei Euro „kostete“ der Kilometer für Unterstützer. „Diese Jungens haben mir sehr geholfen“, ist Inge Moenikes dankbar.

Mit dem Geld konnte im Kinderheim St. Vincent ein Spielplatz mit neuen Spielgeräten angelegt werden. Dar-über hat sich die rüstige Seniorin besonders gefreut.

Tatkräftig packte Inge Moenikes während der drei Monate in Ain Karem, das etwa acht Kilometer von Jerusalem entfernt liegt, mit an. Als Urlaubsvertretung für eine 84-jährige Ordensschwester unterstützte sie die fünf anderen Schwestern bei der Betreuung der Kinder und Jugendlichen. „Es waren schlimme Zustände dort mit den Kindern“, berichtet sie. Zudem half sie in der Waschküche. Bis zu zwölf Stunden dauerte solch ein Arbeitstag.

Geschafft hat sie das alles nicht zuletzt mit Gottes Hilfe: „Man muss einfach nur auf sein Herz hören, denn nur dort hinterlässt Gott uns eine Botschaft“, ist Inge Moenikes sich sicher. „Dann muss man ein wenig Mut haben und los geht die Reise.“

Diesen Mut zum Reisen hat die Unnaerin schon häufiger bewiesen. Fünfmal pilgerte sie allein auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Damit wollte sie Gott für jedes ihrer Kinder danken. Und mit den Vorträgen über ihre Erfahrungen auf dem Jakobsweg nahm sie Geld für andere Kinder ein – nämlich für die in St. Vincent.

Jetzt ist sie erst einmal wieder zu Hause in Unna. Doch die Hände in den Schoß zu legen, kommt für Inge Moenikes nicht infrage. Schwester Katharina, die das Kinderheim St. Vincent geleitet hat, wurde nach Haifa versetzt. Dort sind die Zustände ähnlich wie in Ain Karem. „Zu dem Haus gehört ein großes Gelände und schreit danach, ein Spielplatz zu werden“, sagt sie. Nun überlegt Inge Moenikes, wie man den Spielplatz in Haifa finanzieren kann. Das Spendenkonto der Pfarrgemeinde besteht noch.

Bis sie „ihren“ Kindern in Israel helfen kann, ist Inge Moenikes daheim in Unna aktiv. Im Alten- und Pflegeheim St. Bonifatius hilft sie und steht auch Sterbenden zur Seite.


22.05.2012
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