Soester Silberschmiede schufen aufwendiges Replikat für die Ausstellung
Dom-Museum zeigt Patroklus-Figur
Soest. Erneut findet im Dom-Museum des St.-Patrokli-Doms in Soest eine Ausstellung rund um die Patroklus-Figur aus dem 14. Jahrhundert statt. Anders als 2004, als die Originalfiguren ausnahmsweise und letztmalig in Soest zu sehen waren, wird bis zum 24. Januar allerdings ein Replikat gezeigt. Hergestellt haben diese Figur die beiden Soester Bildhauer und Silberschmiede Michael und Christof Winkelmann. Es handelt sich um eine Treib- und Montierarbeit, die sich streng nach den handwerklichen Regeln des 14. Jahrhunderts gerichtet hat. Anlass für die Ausstellung ist die 1750-jährige Wiederkehr des Martyriums des Soester Stadtpatrons. Er wurde im Jahre 259 enthauptet.
Ergänzt wird die Ausstellung rund um den „Winkelmann-Patroklus“ mit Werken von Peter Bolk, Hogo Bürger, Joseph Jaekel und Wilhelm Winkelmann sowie mit weiteren historische Arbeiten. Unterstützt wird die Ausstellung erneut vom Soester St.-Patrokli-Dombauverein. Friedrich G. Siedler ist der erste Vorsitzende des Dombauvereins. Er erläutert die Gründe für das Engagement: „Da wir in Soest die Original-Statuen wohl nicht mehr sehen werden, ist es von besonderer Bedeutung, eine so detailgetreue Kopie der Patroklus-Statuette bei uns zu haben. Die Arbeit der Gebrüder Winkelmann und den Beitrag zur Kulturgeschichte der Kirche und Stadt lässt sich nicht hoch genug einschätzen. Es war für uns als Dombauverein daher eine Selbstverständlichkeit, die Ausstellung der Gemeinde zu unterstützen.“
Die Originalfiguren verbleiben dauerhaft im Berliner Bode-Museum auf der berühmten Museumsinsel und werden auch als Leihgabe nicht mehr an einem anderen Ort ausgestellt.
Die Hintergründe seiner eigenen Arbeit an dem Patroklus-Replikat erläutert Bildhauer Michael Winkelmann: „Während der vierwöchigen Ausstellung 2004 reifte bei meinem Bruder Christof und mir der Entschluss, in der Folgezeit eine Nachbildung des Patroklus in gleicher Technik zu fertigen. Wir nahmen in Soest die Maße der Figur und fotografierten Details und wichtige Faltungen und Strukturen.“
Die Statuette, so der Bildhauer, sei aus vielen Einzelteilen gefertigt, die alle mit zum Teil schwieriger Passarbeit millimetergenau zusammengefügt und dann mit vier verschieden strengflüssigen Silberloten verlötet werden mussten: „Ein Flussmittel verhindert beim Löten die Oxydation, sodass das Lot bei 550 bis 700 Grad Hitze ungehindert die Lötstelle füllt.“
Die Originalstatuette gehörte zu einem Schrein, der verschollen ist. Dieser Schrein, aus Silber getrieben und vergoldet, war zwischen 1313 und 1330 von dem
Soester Goldschmied Zigefridus aus Gold, Silber, Edelsteinen und Eichenholz angefertigt worden. Die äußere Form war die eines gotischen Kirchengebäudes. Er war an den Außenseiten rechts und links umgeben mit jeweils sechs Aposteln. Dazu in der Mitte der Längsseiten die heiligen Bruno und Patroklus, auf den Schmalseiten Christus und die thronende Madonna. Der Schrein enthielt die Gebeine des Soester Stadtpatrons Patroklus. Auch wenn es den Schrein heute nicht mehr gibt, ist genau bekannt, wie er aussah: Es existiert eine ausführliche Fotodokumentation des Schreins aus den 1920er-Jahren. Bereits im Jahre 1841 hatte die Patrokli-Gemeinde für 3 000 Taler den Schrein an die königliche Münze verkauft. Nur so konnten damals die erforderlichen Reparaturen am Dom finanziert werden. Ein Rückkauf-Versuch durch Propst Nübel 1863 schlug fehl.
Der Schrein blieb in Berlin. Dort fiel er im Mai 1945 dem Brand des Bunkers Friedrichshain zum Opfer. Nur die Figuren wurden offenbar aus der Asche gerettet. Acht von den 16 Figuren zeigte die Berliner Skulpturensammlung in einer kleinen Ausstellung Im Frühjahr 2004 am Pariser Platz, neben dem Brandenburger Tor, in Berlin. 1961 hatte die Stiftung preußischer Kulturbesitz vier Apostel und die Muttergottes in New York entdeckt.
Das Berliner Bode-Museum stieß auf den Christus und auf den Patroklus 1972 im eigenen Magazin. Sie waren 1958 von der Sowjetunion übergeben worden. Den bisherigen Höhepunkt der spannenden Geschichte um den Soester Schrein bildete das Auftauchen der 2003 in Paris entdeckten Figur. In der Figur wird der Apostel Andreas vermutet. Ihm fehlt in der linken Hand ganz offensichtlich ein Attribut. Wie die anderen Figuren besteht die etwa 25 cm hohe Figur aus fein getriebenem Silber und ist außen vergoldet.







