Renovierung der Warburger Kirche St. Johannes Baptist brachte manche Überraschung
Die best erforschte romanische Kirche
Warburg. Nach dem Weißen Sonntag war die Gemeinde ausgezogen. Sie überließ ihr Haus den Handwerkern. Außen wurde mächtig aufgerüstet – und im Inneren wurde groß ausgeräumt. Das Gotteshaus sollte noch schöner werden. Jetzt ist das Werk vollendet, und das Banner am Kirchturm macht die Botschaft offiziell: „Wir sind wieder hier“. Nach sieben Monaten ist jetzt die Warburger Neustadt-Gemeinde in ihre Kirche zurückgekehrt.
von Sandra Wamers
Einige Bauetappen konnten die Bürger verfolgen: Hoch droben am Turm wurden neue, riesige Ziffernblätter angebracht. Die Fenster in der Herz-Jesu-Kapelle bekamen eine Schutzverglasung. Der Steinmetz tauschte die brüchigen Rippen in den hohen gotischen Spitzbogenfenstern aus. Die meisten Arbeiten wurden aber im Verborgenen, im Kircheninneren ausgeführt.
Als erstes trugen helfende Hände im April die Kirchenbänke aus dem Gotteshaus hinaus. Der Schreiner brauchte Platz, um das neue Holzpodest für die Gemeinde im langen Kirchenschiff zu errichten. Zeitgleich liefen die Putzarbeiten. Auch die Gewölbe wurden gereinigt und erhielten einen neuen Anstrich. Sie sind jetzt weiß, während die Schlusssteine mit der Lippischen Rose wieder im tiefen Rot erscheinen.
Für sieben Monate teilten sich die Gewerke das Gotteshaus, denn auch die Heizung und Elektrizitätsversorgung sollten modernisiert werden. Wie auch die Beleuchtung: Zwei Kölner Lichtdesignerinnen haben durch sechs mächtige Kronleuchter, spezielle Glühbirnen und Strahler neue Akzente gesetzt. Skulpturen und Altäre werden jetzt durch eine bewusst gesetzte Lichtführung inszeniert. „Und die Architektur bekommt durch das Licht eine ganz neue Stimmung“, freuen sich Pfarrer Heinz Eickhoff und Architekt Andreas Kropp.
Während der einzelnen Bauphasen der insgesamt zehnjährigen Renovierungsarbeiten durfte sich die Gemeinde über manch Überraschungen freuen. Als erstes wurde der hohe Turm neu bedacht. Die alten Kupferbleche landeten damals aber nicht achtlos auf dem Müll. Aus dem altgedienten Material, das Grünspan angesetzt hatte, wurden neue Kunstwerke gestanzt: Die Wetter-Hähne für die heimische Wohnzimmerwand bekamen den Namen „Jo-Hähne“ in Anspielung auf den Patron der Gemeinde, den Täufer Johannes.
Später tauchte dann ein Bild des „tanzenden Todes“ neben dem des heiligen Christophorus hinter dem Chorgestühl auf (der DOM berichtete). Diese Sensationsfunde wurden untersucht und die Ergebnisse in einem Sonderheft zur Baugeschichte und Ausstattung der Neustadt-Kirche vom Landschaftsverband publiziert. „So ist unsere Kirche die am besten erforschte spätromanische Kirche in Ostwestfalen“, freut sich Pfarrer Heinz Eickoff.
Nicht in dem Buch sind die neuesten Funde: Das Dach eines spätgotischen Sakramentshauses sowie ein bisher unbekannter Treppenaufgang. „Die Treppe ist allerdings eine Sackgasse“, schmunzelt Neustadt-Pfarrer Heinz Eickhoff. Sie führt vor eine geschlossene Wand. Es bleibt spannend im Gotteshaus.
Jetzt ist die vorerst letzte Phase der Renovierungsarbeiten zu Ende gegangen. Nun gehört die Kirche wieder ganz den Gläubigen, die sich am neuen lichten Raumeindruck erfreuen konnten. Allein am ersten Wochenende der Wiedereröffnung feierten rund 850 Gläubige die Vorabendmesse und den Familiengottesdienst in ihrem neuen, alten Bethaus. Und der Andrang bei den zwei angesetzten Führungen verschlug Pfarrer Eickhoff und Architekt Kropp kurzweilig den Atem: Anstelle der erwarteten 20 Besucher strömten an den zwei Terminen jeweils 200 Interessierte in die renovierte Kirche. Aus der Führung wurde so eine Sitzung: Während sich die Besucher aufgrund des Andrangs hinsetzten, griff Pfarrer Eickoff zum Funkmikrofon, um die Veränderungen zu erklären.
Ganz aufmerksame Kirchgänger werden aber bemerken, dass die Arbeiten doch noch nicht ganz beendet sind. Wer bewusst aufhorcht, wird den sich stetig verändernden Klang der Orgel bemerken. Denn bis die rund 2 500 Pfeifen auf der West-Empore exakt auf das Gotteshaus eingestimmt sind, werden noch einige Wochen vergehen.







