Das „Aktuelle kfd-Forum“ zum Thema „Die Kunst des Aufhörens“ in Bielefeld war ein voller Erfolg
Die alten Zöpfe abschneiden
Bielefeld. Der große Saal war proppevoll, alle Tische waren besetzt und selbst hinter den Stuhlreihen nutzten die Frauen jedes Plätzchen zum Sitzen oder Stehen. Keine Frage, das Thema des jüngsten „Aktuellen kfd-Forums“ in Bielefeld interessierte die Frauen: „Die Kunst des Aufhörens – alte Zöpfe abschneiden“. Doch dass am Ende fast 200 Frauen statt der zuvor anvisierten 120 gekommen waren, war auch für das Organisationsteam des Diözesanverbandes Paderborn der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland (kfd) eine überaus positive Überraschung.
von Ruth Lakenbrink
„Sie alle sind Expertinnen aufgrund der Erfahrungen, die Sie im Leben gemacht haben“, stellte die Moderatorin des Gesprächsabends, Susanne Grenz, gleich zu Beginn fest. Um den Abend und die Gespräche zu strukturieren, hatte die Diplom-Pädagogin mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung das Thema „Die Kunst des Aufhörens“ in vier Bereiche gegliedert: Jugendwahn, Beruf/Ehrenamt, Freunde und Träume. Zuvor aber regte Grenz die Teilnehmerinnen noch an, das Aufhören nicht nur negativ als einen „kleinen Tod im Leben“ zu betrachten, sondern ihm auch eine positive Seite abzugewinnen, schließlich erfordere es „Mut, Ehrlichkeit und Können sich selbst und anderen gegenüber“. Und: „Aufhören ist eine Stärke.“
So führte Grenz den Frauen auch sogleich beim Thema Jugendwahn vor Augen, dass nicht Aufhören zu können, sich sehr negativ auswirken kann. Mithilfe von Fotos von (bekannten) Frauen, die, dem Jugendwahn verfallen, nicht mehr ihrem Alter entsprechend aussehen, machte sie sehr deutlich, dass es nicht umsonst heißt „in Würde altern“. Ein Aspekt, den der Frauenchor St. Kunigunde unter der Leitung von Eva-Maria Daudel, der den Abend mit zu den einzelnen Themen passenden Liedern musikalisch gestaltete, humorvoll aufgriff. Mit weiteren Anregungen zum Nachdenken, schickte Grenz die Frauen, wie auch bei den nachfolgenden Themen, in eine zehnminütige Diskussionspause, die sogleich für angeregte Gespräche allerorten genutzt wurde.
Vor allem zum Thema Beruf und Ehrenamt wurde an allen Tischen intensiv diskutiert. Schließlich sind die Ängste vor dem Aufhören bei diesem Thema besonders stark, werden doch zumeist finanzielle oder soziale Einschnitte, Verlust des Ansehens befürchtet. Grenz hatte bei diesem Thema noch eine besondere Aufgabe für die Teilnehmerinnen des Forums. So sollten sie auch unterschiedlich farbigen Karten notieren, welchen Nutzen einerseits und welche Kosten andererseits eine Aufgabe von Beruf und Ehrenamt bedeutet. Die pensionierte Lehrerin Hanne Junge, die sich neben Christa Hindahl, Heidemarie Röhr und Beate Rasche-Schürmann als Fachfrau äußerte, fasste diese positiven wie negativen Gefühle zusammen. Auch wenn sie sich einerseits darauf gefreut habe, wieder andere Dinge starten zu können, habe sie aber auch das Gefühl gehabt: „Du wirst nie wieder so selbstbewusst sein wie bisher.“
Sich von Freunden zu verabschieden fällt da insofern leichter, weil es, wie die Moderatorin herausarbeitete, häufig lebensphasen-abhängige Freundschaften gibt. Das sahen auch die Teilnehmerinnen so, die aber erst einmal über Abgrenzungen zwischen Freunden und Bekannten diskutierten. Und aufhören zu träumen könne einem Menschen Weisheit, Reife und Selbstbewusstsein bringen, wie Grenz erläuterte.
Das Ziel der kfd-Vorbereitungsgruppe, Frauen miteinander ins Gespräch zu bringen, wurde jedenfalls klar erreicht. Und damit war das kfd-Forum eine gute Werbung in eigener Sache, wie Gisela Jistel-Brosig vom Diözesanvorstand zuvor ein weiteres Ziel formuliert hatte.

- Die Seniorentheatergruppe „Jetzt oder nie" begeisterte die Frauen mit humovollen Sketchen. Fotos: Lakenbrink







