Tagung in Hardehausen befasst sich mit den Problemen ländlicher Regionen
Die Zukunft der Dörfer
Warburg-Hardehausen (jon). Die Zukunft der Dörfer in Ostwestfalen haben rund 90 Landwirte bei der traditionellen Dreikönigstagung in der Katholischen Landvolkshochschule Hardehausen diskutiert. Der Architekt Gerrit Schwalbach, Stadtplaner an der Unversität Siegen, machte zum Ende des viertägigen Treffens den Einwohnern der Dörfer Mut für die Zukunft.
Schwalbach sagte, in der Vergangenheit sei das Augenmerk zu sehr auf die Gebäude gerichtet gewesen. Ein Dorf bestehe aber auch aus sozialen Systemen. Die Spielregeln in den Dörfern müssten so weiterentwickelt werden, dass Alt und Jung, Alteingesessene und Zugezogene die Balance schafften, das Gemeinschaftsleben trotz schrumpfender Zahl der Bewohner zu gestalten. Der Stadtplaner sagte, er sei davon überzeugt, dass es durch die Zunahme des Anteils älterer Menschen zu einer Anpassung zentral gelegener Wohnhäuser an die Bedürfnisse alter Menschen kommen müsse, damit diese auch weiterhin am Dorfleben Teilhabe hätten. Dies schaffe zusätzliche Aufträge für die örtlichen Handwerker. Auch müsse überlegt werden, wie die Dorfzentren neu belebt werden könnten.
Schwalbach verwies auf das Problem von Siedlungen an den Ortsrändern. Deren Bewohner seien aufgrund ihrer mangelnden Mobilität nun auf Dienstleistungen von Fremden angewiesen. Ein selbstorganisierter Fahrservice sowie Verkaufswagen, die das Nötigste im Angebot hätten, könnten dort Abhilfe schaffen. Dennoch bedeute die Ausweisung von Neubaugebieten einen Gewinn für die Dorfbewohner. Neubaugebiete brächten eine Verbesserung der demografischen Situation, denn Häuser würden überwiegend von jungen Familien gebaut, die zumeist über hohe Kaufkraft verfügten und den Dörfern zusätzlichen Wohlstand brächten.
Allerdings räumte der Siegener Stadtplaner ein, dass eine solche Ausweisung zunehmend kritisch gesehen werde, da der Leerstand in den Dorfzentren unweigerlich zunehme. Insbesondere im Kreis Höxter gebe es ganze Straßen, deren Häuser von Menschen im Alter von über 70 oder sogar über 80 Jahren bewohnt seien. Zumeist verfügten diese Senioren über gewachsene Kontakte im Dorf, doch die eigenen Kinder seien wegen der Arbeit längst weggezogen und würden die Häuser wohl nicht mehr bewohnen können. Kreativität sei nötig, um diese Häuser zu verkaufen. Einige Häuser müssten vielleicht auch abgerissen werden. Dies schaffe aber auch Platz für Neues. Senioren könnten sich auf ehrenamtlicher Basis zusammensetzen, um schon heute darüber nachzudenken, wie sie ihr nahes Umfeld in Zukunft gestaltet haben möchten, sagte Gerrit Schwalbach. Es komme mehr und mehr darauf an, aktiv zu werden, denn die Zeiten, in denen Städteplaner ihre Ideen ohne Einbeziehung der Menschen im Dorf umgesetzt hätten, seien längst vorbei.
In seiner Eröffnungsrede hatte der Leiter der Landvolkshochschule, Msgr. Prof. Dr. Konrad Schmidt an das Motto der Zisterzinsermöche, erinnert, die über Jahrhunderte das Leben in der Region geprägt hatten: „Fuge, Quiesce, Tace“ – „Fliehe aus der lauten Welt, Ruhe soll dich nun umgeben, Tritt ins Schweigen ein.“ Dieser Spruch habe auch heute noch seine Bedeutung. Nur wer diese Phasen der Ruhe und Unbekümmertheit zulasse, weite den Blick für neue Chancen.
Der Vorsitzende der Katholischen Landvolkbewegung im Erzbistum Paderborn (KLB), der Landtagsabgeordnete Hubertus Fehring, beklagte in seinem Grußwort, dass viele Landwirte zu Einzelkämpfern geworden seien. Doch trotz der wirtschaftlichen Zwänge sei die Solidarität innerhalb des Berufsstandes noch stärker geworden. Die Landwirte hätten erkannt, dass ihre Forderungen nur berücksichtigt würden, wenn sie solidarisch handelten.
Franz-Josef Möllers, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands verwies in seinem Vortrag „Zur Solidarität innerhalb der Landwirtschaft“ auf ungelöste Herausforderungen. So könne gegenwärtig der Betreiber einer Biogasanlage höhere Summen investieren als ein Halter von Milchkühen. Bei diesem Wettlauf nach Pachtfläche und Wachstum bleibe die Solidarität häufig auf der Strecke. Darüber hinaus wies Möllers auf die Wichtigkeit der Genossenschaften für die Solidarität hin. Nur weil sich die Bauern zusammengeschlossen hätten, hätten sie ein ernstzunehmendes Gewicht in Verhandlungen mit dem Handel. Möllers sagte, er werde sich auch weiterhin dafür einsetzen, dass solidarische Umverteilungsprozesse Landwirte in benachteiligten Gebieten unterstützen.







