Aktuelle Ausgabe
2012-20

Ehemals Wohnungslose berichteten in Siegen aus ihrem Leben

Die Wucht des Schicksals

Zwei ehemals Wohnungslose aus dem münsterländischen Vreden präsentierten in Siegen Porträts von sich, die der Hamburger Ulrich Rölfing gemalt hat.

Siegen (jon). Auf „Menschen am Rande“ aufmerksam machen– darum ging es beim Caritas-Sommer-Tisch „Guten Appetit“ in Siegen. Ehemals Wohnungslose erzählten aus ihrem wechselhaften Leben und präsentierten Porträts, die der Künstler Ulrich Rölfing von ihnen gemalt hat. „Die Wucht des erlebten Schicksals“, so der Titel der Ausstellung, wurde so handfest deutlich.

von Juliane Mütherig

Sie trafen sich alle gemeinsam beim Sommer-Tisch „Guten Appetit“ unter den großen Bäumen rund um das Pfarrheim St. Marien in Siegen, die ehemals Wohnungslosen mit Besuchern, Vertretern der Stadt und Veranstaltern vom Caritasverband Siegen-Wittgenstein, dem Katholischen Jugendwerk Förderband und dem Dekanat Siegen.
Mit dem „Sommer-Tisch“ griffen die Veranstalter die Jahreskampagne des Deutschen Caritasverbandes auf, die 2009 unter dem Motto „Soziale Manieren für eine bessere Gesellschaft“ steht. Dieses Thema wolle aufmerksam machen auf Menschen in Notlagen, Menschen am Rande der Gesellschaft, sagte Thomas Griffig, Geschäftsführer des Caritasverbands Siegen-Wittgenstein. Die vielen Gäste, die sich eingefunden hatten, zeigten mit ihrer Anwesenheit, dass auch sie sich der Verantwortung bewusst seien, „Menschen am Rande unserer Gesellschaft in den Blick zu nehmen, das Thema Armut offensiv anzupacken“. Dabei gehe es um Menschen, die obdachlos, straffällig geworden oder überschuldet seien. „Diese Kampagne möchte dazu einladen, offen zu sein und mit diesen Menschen ins Gespräch zu kommen“, sagte Griffig. Auch wohnungslose oder straffällig gewordene Menschen wünschten sich soziale Kontakte. „Auch sie freuen sich über ein Lächeln oder einen Gruß“, so der Caritas-Geschäftsführer. Dechant Werner Wegener betonte, dass sich Kirche und Caritas in der Verantwortung für Menschen sähen, die in existenzielle Not geraten seien, allen Menschen sei mit Respekt zu begegnen.
Ehrengäste waren ehemals Obdachlose aus Vreden im westlichen Münsterland. Thomas Vatter vom dortigen St.-Antonius-Heim, einer Einrichtung der stationären Wohnungslosenhilfe, war mit einigen Bewohnern des Heims gekommen. Diese berichteten bewegend und ergreifend aus ihrem Leben. Mitgebracht hatten sie eine Ausstellung von 25 ausdrucksstarken Porträts, die aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des St.-Antonius-Heimes von dem Hamburger Künstler Ulrich Rölfing gemalt worden waren. Die Lebensläufe der Bewohner wie auch ihre Porträts sind zudem in dem Buch „Die Wucht des erlebten Schicksals“ erschienen. Entstanden ist das Buch im Zusammenspiel von Bewohnern, Künstler und Journalisten. Die Porträts sprechen von Hoffnung und Enttäuschung, von Neuanfängen und vom Scheitern, von Ruhelosigkeit und vom Finden der Ruhe.
Der Mittagstisch „Guten Appetit“ in Siegen bietet seit 1997 Bedürftigen dreimal wöchentlich eine kostenlose warme Mittagsmahlzeit an. Der Mittagstisch ist ein Kooperationsprojekt von Caritasverband Siegen-Wittgenstein, dem Katholischen Jugendwerk Förderband Siegen-Wittgenstein und der Katholischen Kirchengemeinde St. Marien in Siegen. Matthias Vitt, Geschäftsführer von Förderband, berichtete, dass seit 1997 über 130 000 Essen ausgegeben worden seien, im vergangenen Jahr allein 9 000. Von Spenden allein könne diese Aktion allerdings nicht existieren, sagte er. Mithilfe verschiedener Förderer werde das Projekt immer für drei Jahre finanziert, so auch vom Erzbischöflichen Generalvikariat in Paderborn oder von der Caritasstiftung. Für die Zukunft sei ein Integrationsprojekt geplant, verriet Matthias Vitt.


22.05.2012
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