Libori 2011: Gedenken an die Opfer von Oslo / Regen verhindert Prozession durch die Innenstadt
Die Mitte des Lebens neu finden

- Libori als Treffpunkt der Weltkiche: Mit zahlreichen Bischöfen feierte Erzbischof Becker das Pontifikalamt am Sonntag. Foto: Wiedenhaus
Erzbistum. Auch das Libori-Fest blieb von den Wetter-eskapaden des diesjährigen „Sommers“ nicht verschont: Wegen Dauerregens musste die Prozession durch die Innenstadt nach dem Pontifikalamt am Sonntag ausfallen. Stattdessen wurden das Allerheiligste und der vergoldete Silber-Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius in einer Sakraments-prozession durch den Dom getragen.
von Andreas Wiedenhaus
„Wir feiern nicht Herbstlibori!“ In seiner Begrüßung zum Pontifikalamt am Libori-Sonntag machte Erzbischof Hans-Josef Becker scherzhaft auf eine Verwechslungsgefahr aufmerksam, die angesichts des Wetters wirklich nicht ganz auszuschließen war. Nässe und wenig sommerliche Temperaturen hielten die Gläubigen jedoch nicht vom Besuch des Gottesdienstes ab: Dicht gedrängt füllten sie den Hohen Dom. Ausgehend vom diesjährigen Libori-Leitwort „Du bist in unserer Mitte, Herr“ regte der Erzbischof in seiner Predigt während des Festgottesdienstes zum Nachdenken darüber an, „wer oder was die Mitte unseres Lebens und unserer Glaubenspraxis ausmacht“. Die Ausrichtung auf eine Mitte hin und die damit verbundene Konzentration auf Wesentliches mache geradezu den Kern des Christlichen aus, so der Erzbischof.
Grund dieser Ausrichtung hin zu einer Konzentration sei Jesus selbst: „Die Wahrheit über Gott, die Wahrheit über die Kirche, die Wahrheit über Schöpfung und Vollendung, die Wahrheit über den Menschen und seine Erlösung – sie alle konzentrieren sich in der einen Person des Mensch gewordenen Gottessohns“, sagte Erzbischof Becker: „Christentum ist nicht etwas, was man annimmt, sondern jemand, dem man begegnet!“
Dabei unterstrich er, dass Konzentration keine Verkürzung bedeute, denn: „Wer von Liebe spricht, braucht nicht zu fürchten, Themen wie Gerechtigkeit, Engagement oder Freiheit kämen dann zu kurz.“ Und wer von Christus spreche, „spricht von Gottes Heil, von der Kirche als Gemeinschaft derer, die zu Christus gehören, von den Sakramenten, in denen er handelt und heiligt, von der Gnade als Teilhabe an seiner Gottesnähe, vom Reich Gottes, das er vollenden wird, wenn er kommt“.
Eröffnet wurden die kirchlichen Feierlichkeiten am Samstagnachmittag mit der Überführung der Reliquien des -heiligen Liborius aus der Domkrypta in den Hochchor des Doms. Während der Schrein durch die dicht gedrängt im Kirchenschiff stehenden Menschen zum Altarraum getragen wurde, ertönte dreimal der Libori-Tusch aus dem Oratorium „Paulus“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Die Libori-Tage würden dazu einladen, sich wieder neu auf Gott auszurichten und ihm in Gottesdiensten, Gebet und den Sakramenten zu begegnen, sagte der Erzbischof in seiner Ansprache. Zu Beginn der Vesper hatte er an die Opfer der Anschläge in Norwegen erinnert: „Wir können unser Libori-Fest nicht feiern, ohne der Opfer dieser verabscheuungswürdigen Anschläge zu gedenken. Wir sind mit den Angehörigen der Opfer im Gebet verbunden.“
Einen besonderen Gruß richtete der Erzbischof an die Priester und Laien, die aus verschiedenen Teilen der Weltkirche nach Paderborn gekommen sind. Herzlich begrüßte er den Bischof der Diözese Le Mans in Frankreich, Bischof Yves Le Saux, der als Bischof von Le Mans Nachfolger des heiligen Liborius ist. Viele Gläubige nutzten nach dem Gottesdienst die Gelegenheit, ein von Prälat Winfried Schwingenheuer gereichtes Reliquiar mit Reliquien des heiligen Liborius zu berühren.
Zum ersten Mal konnten die Gläubigen am Samstag und Sonntag die Gottesdienste über große Monitore in der Kirche mitverfolgen. Ermöglicht wurde dies durch eine Internetübertragung der Feierlichkeiten im Kölner Domradio.






