Aktuelle Ausgabe
2010-36

Kommentar

Die Liberalen und die Kirche

von Andreas Wiedenhaus

Es knirscht mehr als deutlich zwischen der katholischen Kirche und der FDP: Nachdem die Bundesjustizminis­terin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Haltung der katholischen Kirche im Zusammnhang mit den Missbrauchsfällen – auch nach Meinung neutraler Beobachter – nicht gerade sachlich kritisiert hatte, war zwar Entspannung eingekehrt, aber das Verhältnis zwischen Liberalen und der katholischen Kirche scheint auf keinem guten Weg zu sein.
Denn die Auseinandersetzung um die Missbrauchsfälle ist nur die eine Seite. Die von Parteichef Guido Westerwelle angestoßene „Hartz-IV“-Debatte lässt verständlicherweise auch die Kirchen nicht kalt. Gerade hat Prälat Karl Jüsten, der Leiter des Katholischen Büros bei der Bundesregierung, den sozialpolitischen Kurs der FDP kritisiert. Er warnte vor einem Auseinanderbrechen der Gesellschaft zwischen „denen da oben“ und „denen da unten“. Das Plädoyer, wie es derzeit immer wieder von der FDP zu hören sei, den Sozialstaat deutlich zu reduzieren nannte Jüsten „eher taktisch und ideologisch bestimmt als sachlich begründet“.
Harte Worte des Kirchenvertreters, die aber auf den Kern der Auseinandersetzung zwischen den Kontrahenten hinweisen: Während die eine Seite das „Gemeinwohl aller im Blick habe“, wie Jüsten betonte, muss sich die FDP die unangenehme Frage nach der „Klientelpolitik“ gefallen lassen.
Sollte sich dieser Eindruck verstärken, so dürften sich die Positionen noch weiter auseinanderbewegen und sich das Verhältnis zwischen Kirche und FDP noch mehr abkühlen.


09.09.2010
Impressum | Kontakt
2300