Aktuelle Ausgabe
2012-20

Caritas Paderborn gründet Gruppe für Kinder psychisch kranker Eltern in Schloß Neuhaus

Die Last von den Schultern nehmen

Das Logo „KipkEl“ zwischen Dominik Hake (rechts) und Bartholomäus Rymek steht für „Kinder psychisch kranker Eltern“. Foto: Flüter

Paderborn. Vor Weihnachten haben sie sich in Schloß Neuhaus zum ersten Mal getroffen: sechs Kinder, die psychisch kranke Eltern haben, und die Sozialpädagogen Dominik Hake und Annika Schregel. Seit 2009 bietet die Erziehungsberatungsstelle des Caritas-Verbandes Paderborn in Kooperation mit der Sozialpsychiatrischen Initiative Paderborn (SPI) diese Gruppe an.  

Kinder von Eltern, die an einer psychischen Krankheit leiden, haben selbst ein erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens psychisch zu erkranken. Etwa einem Viertel der Betroffenen droht dieses Schicksal. Sollten beide Eltern erkrankt sein, trifft es statistisch gesehen sogar jedes dritte Kind. Um ihnen frühzeitig zu helfen, ist die „KipkEl-Gruppe“ („Kinder psychisch kranker Eltern“) entstanden. 

„Diese Kinder stehen unter einem erheblichen Druck“, sagt Dominik Hake, Mitarbeiter der Erziehungsberatungsstelle. „Sie fühlen sich verantwortlich für die Familie und müssen Aufgaben übernehmen, die sie überfordern.“ Oft sind diese Kinder bemüht, nicht aufzufallen, sie „funktionieren“ in alltäglichen Zusammenhängen wie der Schule. Weil ihr Wissen von den Erkrankungen gering ist, können sie sich jedoch ihre Situation nicht erklären. 

Die Last von den Schultern der Kinder zu nehmen, dauert eine Zeit. Bei den ersten Treffen geht es vor allem darum, Vertrauen aufzubauen. „Dann öffnen sich die Kinder ganz von selbst, weil sie erfahren, dass die anderen Kinder in der Gruppe ähnliche Probleme haben“, sagt Bartholomäus Rymek, Assistent der SPI-Geschäftsführung. 

Dank dieser Gruppenerfahrung und der behutsamen sozialen und therapeutischen Leitung erwerben die Kinder im Laufe der zehnmonatigen Gruppenphase ein besseres Kommunikations- und Sozialverhalten. Sie lernen, wie sie mit ihren kranken Eltern umgehen können – und wie sie ihre eigenen Bedürfnisse besser durchsetzen. Auch die Eltern werden durch regelmäßige Gespräche beteiligt. „Wir wollen das System Familie so verändern, dass die Unterstützung für das Kind langfristig Erfolg hat“, sagt Dominik Hake. 

Die Gruppe ist in ein Netzwerk eingebunden. Die SPI bringt ihre Erfahrung aus der therapeutischen Wohngruppenarbeit ein, die Caritas kann Familien durch weitere Dienste wie die Familienpflege unterstützen. Eingebunden sind die LWL-Klinik Paderborn und die Jugendämter.


22.05.2012
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