Aktuelle Ausgabe
2012-20

Hunderte Allendorfer bringen „Dreikönigsschrein“ in historischer Prozession zurück nach Köln

Die Kutschfahrt der Drei Könige

So ähnlich wie beim Allendorfer Stadtjubiläum im vergangenen Jahr soll es aussehen, wenn die Allendorfer mit den Fuhrwerken des Fahrvereins Endorf-Hagen am 7. September in Köln einziehen und dort den Schrein in den Dom tragen.

Sundern-Allendorf. „Freudig gespannt“ zeigte sich Friedrich Nagel kurz vor dem Start. 55 Wanderer und Fuhrleute aus Allendorf haben sich am Dienstag auf einen historischen Weg gemacht. Mit dem nachgebauten Kölner Dreikönigsschrein folgen sie den Spuren des Allendorfer Fuhrmanns Friedrich Clute-Simon, der 1803, vor 205 Jahren, die Reliquien der Heiligen Drei Könige aus ihrem Exil im Arnsberger Kloster Wedinghausen zurück zum Kölner Dom brachte.

 

von Markus Jonas

 

Nach fünf Tagen Wanderung wird die Allendorfer Gruppe an diesem Sonntag, 7. September, in Köln erwartet. Zusätzlich kommen sechs Busse von Allendorf nach Köln. Denn ab 14 Uhr ziehen die Allendorfer in ihren historischen Kostümen vom Caritas-Altenzentrum St. Heribert in der Urbanstraße in Köln-Deutz über die Deutzer Brücke in Prozession zum Dom. Von Dompropst Dr. Norbert Feldhoff, Hausherr des Kölner Domes, werden die Allendorfer am Portal des Gotteshauses empfangen. Anschließend feiert er mit ihnen die heilige Messe.

Den Anstoß zu der historischen Reise gab das Stadtjubiläum Allendorfs im vergangenen Jahr (Der DOM berichtete). Im Rahmen der 600-Jahr-Feierlichkeiten veranstalteten die Allendorfer einen historischen Umzug, für den sie den Dreikönigsschrein nachbauten. Außerdem besorgten sich fast alle Einwohner historische Gewänder, mit tatkräftiger Unterstützung der kfd-Nähstube.

Eigentlich war die historische Wandertour schon im vergangenen Jahr geplant, sagt Friedrich Nagel, Geschäftsführer des eigens für das Jubiläum gegründeten Vereins „Fickeltünnes“ (benannt nach dem Pfarrpatron Antonius, der Einsiedler). „Doch wegen Orkan Kyrill ist das gescheitet. Der hatte viele Wege für Monate unpassierbar gemacht“, berichtet er. Ein halbes Jahr haben die Vorbereitungen für die historische Tour gedauert. Eine Anfrage an das „Metropolitankapitel der Hohen Domkirche zu Köln“ wurde positiv beantwortet. „Die waren ganz angetan von unserer Idee“, sagt Nagel zufrieden. Dann mussten passende Wege für die Wanderer und die beiden Pferdefuhrwerke des Kutschenvereins Endorf-Hagen gefunden werden.

Am schwierigsten sei es gewesen, für die vielen Wanderer und vor allem für die vier Pferde Unterkünfte zu finden. Die Strecke musste daher auch an die Lage von Hotels und Reiterhöfen angepasst werden.

Dass die Reliquien der Heiligen Drei Könige überhaupt zurück nach Köln gebracht werden mussten, lag an französischen Revolutionstruppen, die seit 1792 zum Rhein vordrangen. 1794 wurde die Lage so kritisch, dass das Kölner Domkapitel mit dem Schrein, dem Domschatz, der Dombibliothek und dem Dom­archiv nach Arnsberg floh, der Hauptstadt des Herzogtums Westfalen. Hier fanden das Domkapitel und seine Schätze in der Abtei Wedinghausen bis 1803 sichere Zuflucht. Ein Allendorfer war es schließlich, der die Reliquien unter Glockengeläut und großem Jubel der Kölner zurückbrachte. Die Neuauflage dieses Ereignisses wird wie vor 205 Jahren für Aufsehen sorgen, ist Friedrich Nagel sicher: RTL und der WDR haben sich schon angekündigt.


22.05.2012
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