Pater Maurizius berichtet in Sundern von seiner fünfjährigen Tätigkeit in Pakistan
„Die Kirchen sind immer voll“
Sundern-Stockum. Fünf Jahre war Pater Maurizius im Priesterseminar in Pakistan tätig. Bedroht hat er sich in dieser Zeit nur ein Mal gefühlt. Christen, so berichtete er jetzt, könnten in diesem muslimischen Land frei leben. Dennoch gibt es auch Schikanen.
von Matthias Nückel
„Zur Zeit des Karikaturenstreits gab es nach dem Freitagsgebet der Muslime vor dem Priesterseminar eine Demonstration“, erzählt Pater Maurizius. Unter den Demonstranten seien Jugendliche mit Waffen gewesen. „Sie sagten, wir kommen am Sonntag wieder“, so der Ordensmann. Im Seminar habe man überlegt, wie man sich schützen könne. Doch nichts sei geschehen.
Dies sei die einzige Bedrohung während seiner Tätigkeit in Pakistan gewesen, sagt Pater Maurizius, der jetzt einige Wochen im Pastoralverbund Sorpetal-Stockum zur Aushilfe war, bei einem Vortrag in Sundern-Stockum.
Pakistan ist ein durch und durch muslimisches Land. „Im Bus ist aus dem Lautsprecher die Predigt zu hören“, berichtet der Pater. „Zu den muslimischen Gebetszeiten hält der Bus an, damit alle aussteigen und beten können.“ Die zwei Millionen Christen, die etwa ein Prozent der Bevölkerung ausmachen, können jedoch ihren Glauben frei ausüben. „Ich konnte auch in meiner Priesterkleidung auf die Straße gehen“, berichtet Pater Maurizius, der der Gemeinschaft vom fleischgewordenen Wort angehört. In Pakistan sei es Christen – im Gegensatz zu vielen islamischen Ländern– auch erlaubt, Kirchen zu bauen. Das Priesterseminar ist offiziell anerkannt.
Die Muslime hätten sehr großen Respekt vor den Ordensschwestern der etwa 15 im Land tätigen Kongregationen. Auch schickten viele Muslime ihre Kinder auf christliche Schulen, weil diese gut seien. Probleme für Christen gibt es nach den Worten des Priesters dagegen bei der Suche nach Arbeit.
Besondere Vorsicht allerdings ist für Christen – wie in jedem islamischen Land – auch in Pakistan beim Thema Missionierung geboten. Diese ist streng verboten. „Wenn ein Jugendlicher kommt und Christ werden will, muss man vorsichtig sein“, berichtet Pater Maurizius, „denn es könnte ein Polizeispitzel sein.“ Auch würden die christlichen Schulen kontrolliert, damit die muslimischen Schüler dort nicht missioniert würden.
„Die beste Missionierung ist immer noch das Vorbild“, betont der gebürtige Argentinier, der für seinen Orden auch schon in Peru und Ägypten tätig war. Und so finden immer wieder Muslime den Weg zum Christentum. „Wenn ein Muslim Christ wird, muss er aber die Heimat verlassen. Seine Familie würde ihn töten“, beschreibt der Pater die harte Realität. Allerdings gibt es auch Gegenbeispiele: „Der Obere der Kapuziner in Pakistan stammt aus einer muslimischen Familie.“
Normalerweise leben die Christen in Pakistan in Dörfern, die schon an Namen wie „Johannabad“ oder „Mariabad“ als christlich zu erkennen sind. Und die Christen seien sehr gläubig. „Die Kirchen sind immer voll.“ Ein Prozent der Bevölkerung klinge zwar wenig, „aber zwei Millionen Christen in einem muslimischen Land sind viele“.
Das Fazit zum Zusammenleben der Religionen, das Pater Maurizius nach fünf Jahren in Pakistan zieht, ist insgesamt positiv: „Wir hatten auch muslimische Freunde. Die meisten Muslime sind ganz normale Leute.“
Pater Maurizius will im Laufe des Jahres wieder nach Pakistan reisen, um seine Aufenthaltsberechtigung zu verlängern. Doch zuerst wird er in Berlin arbeiten – die Hauptstadt ist schließlich ebenfalls Missionsgebiet.







