Paderborner Fenster in der Kirche von Nassau Bay
Die Kirche der Astronauten
Paderborn/Houston. „Das waren verrückte Entwürfe“, sagt Jan Peters. „Sehr amerikanisch.“ Durch gute Kontakte zu einem amerikanischen Kirchenausstatter kam die Paderborner Glasmalerei Peters an einen ungewöhnlichen Auftrag: die Herstellung der Kirchenfenster für die neue Kirche St. Paul von Nassau Bay bei Houston in Texas, die Gemeindekirche der Katholiken, die bei der NASA beschäftigt sind. In den Kirchenfenstern spiegelt sich diese Verbindung: Weltraumfotos des Hubble-Teleskops und der Apollo-Astronauten wurden mit Darstellungen des Heiligen Geistes und von Engeln kombiniert.
von Markus Jonas
Heiligabend 1968: Erstmals erreichen Menschen eine Umlaufbahn um den Mond. Mit an Bord von Apollo 8: William Anders, Mitglied der erst 1964 für die NASA-Familien gegründeten katholischen Gemeinde St. Paul. Als das Raumschiff zum dritten Mal die Rückseite des Mondes umfliegt, entdeckt Kommandant Frank Borman bei einem Blick aus dem Fens ter über dem Horizont des Mondes einen blauen und weißen Bogen. „Oh mein Gott! Seht euch dieses Bild da an! Hier geht die Erde auf. Wow, ist das schön“, ruft er. William Anders legt einen Farbfilm in die Kamera und macht das wohl bedeutendste Foto des 20. Jahrhunderts: der Aufgang der blau-weißen Erde über dem Mond. Gewürdigt wird dies in der Kirche von Nassau Bay mit einem von diesem Foto inspirierten „Fenster der Schöpfung“. Darüber steht ein Vers aus Psalm 19: „Der Himmel verkündet die Ehre Gottes.“ Das sahen damals auch die Apollo-8-Astonauten so. Bei einer Fernseh-Live-Übertragung aus der Mondumlaufbahn am Heilig-
abend lasen sie abwechselnd einen Teil der biblischen Schöpfungsgeschichte vor.
45 Jahre lang feierte die katholische NASA-Gemeinde ihre Gottesdienste in einem provisorisch errichteten Gebäude. Erst Ende August wurde die neue Kirche St. Paul eingeweiht. Dominiert wird sie von einem großen Fenster, dem atemberaubende Fotos des Hubble-Teleskops vom Orionnebel und vom Omeganebel zugrunde liegen. Vor diesem Hintergrund sind der Heilige Geist als Taube, umgeben von Feuerzungen und Engeln zu sehen. Die Entwürfe stammen von der seit langem in den USA lebenden Deutschen Renate Rohn. Ihre Entwürfe setzte die Glasmalerei Peters in Paderborn um. „Manche sagen Kitsch“, räumt Inhaber Wilhelm Peters ein. „Aber dieser verdichtete Glaube fasziniert.“








