Die Künstlerin Edith Wulf spürt mit ihren Farben der Seele heimatlicher Landschaften nach
Die Heimat im Bild festgehalten
Paderborn-Elsen. Die Künstlerin Edith Wulf stellt im Elsener Altenwohnheim „Schrieweshof“ Bilder aus dem Paderborner Land aus.
von Richard Schleyer
Edith Wulf wird gern als Malerin des Paderborner Landes bezeichnet. Mit Skizzenblock und Fotoapparat durchstreifte sie die Umgebung der Domstadt, hielt Eindrücke und Stimmungen fest, im Wechsel der Jahreszeiten und Witterungen. So fing sie etwa die herbstliche Stimmung über Dahl oder Kleinenberg ein, zeichnete die Attelner Almebrücke in winterlichem Weiß und Blau und die Windräder bei Buke in sommerlicher Landschaft. Besonders angetan haben es der Künstlerin aber die Kirchen und Kirchplätze der Region. Und weil die Kirchen im Winterhalbjahr am wenigsten von dem dichten grünen Laub der Bäume verdeckt werden, malte sie diese meist in herbstlich-winterlicher Atmosphäre.
Heimatliche Gefühle wecken diese Landschaften im Betrachter; und dies liegt durchaus in der Absicht der Künstlerin, wie Edith Wulf betont. Dieser Wiedererkennungseffekt, den diese Bilder vor allem bei älteren Betrachtern hervorrufen, könne für sein Haus und die vielen Senioren, die dort wohnen, Gold wert sein. So erkannte Ulrich Gerling, der Leiter des Seniorenheimes Schrieweshof in Elsen. Es gehört zur Philosophie der Christophorus-Gruppe, die vor zwei Jahren diese Einrichtung eröffnete, die alten Bewohner bei ihrer inneren Gefühlswelt abzuholen und so-oft wie möglich deren Erinnerungen zu mobilisieren. Somit funktionierten Ulrich Gerling und Edith Wulf das Seniorenheim inmitten des Paderborner Ortsteiles in eine Bildergalerie um. Im Eingangsbereich, auf den Fluren, in der Kapelle, dem Café und den Büros, selbst in dem Raum, in dem die Verstorbenen aufgebahrt werden, hängen nun Bilder von Edith Wulf. Bis in den April hinein sollen sie im Haus bleiben und harren auch der Bewunderer, die von außen den Schrieweshof aufsuchen, um die Bilder zu sehen.
Edith Wulf will in ihren Bildern nicht einfach Landschaften, Straßenzüge, Plätze und Gebäude festhalten. Sie malt gegenständlich; das Entscheidende aber sind ihr Stimmungen, die sie festhalten und wiedergeben will. Sie kommt meist mit wenigen Farben aus; doch indem sie diese Farben aufträgt, will sie dem Bild eine Seele einhauchen. Dadurch entstanden zum Teil ausgesprochen expressionistische Bilder, bei denen das Gegenständliche zugunsten des inneren Ausdrucks verschwimmt. Sennelandschaften an der Ems malt sie auf diese Weise; oder die Landschaft an der jungen Lippe in Bad Lippspringe. Waldwege haben es der Künstlerin besonders angetan. Aber auch auf dem Kirchplatz von Delbrück verschwinden die Konturen von Menschen und Gebäuden im Nebel. Der Betrachter spürt die bläulich-weißen Nebel wallen und fühlt sie bis in sein eigenes Herz hineindringen.
Gelernt hat die 1935 geborene Edith Wulf eigentlich Schneiderin. Sie arbeitete dann als Entwurf- und Modezeichnerin, bildete sich zur Diplom-Designerin weiter. Neben ihrer Arbeit gab sie Kurse in Zeichnen, Malen und kreativem Gestalten. 1987 wagte sie es schließlich, sich als Künstlerin selbstständig zu machen. Früher malte sie wie besessen, oft bis in die Nacht hin-ein. „Es war, als ob eine unsichtbare Hand mich führe.“
Früher hat sie auch Aktbilder gemalt, viele Tierbilder, Pferde und Schafe auf der Weide. Der Flug der Vögel hat sie fasziniert und das Meer. Doch dann wurde ihr Werk heimatbezogener; und auch religiöser. Stolz ist sie auf ihre Bilderserie „Wie Gott schuf“. Auch manches Christus-Antlitz hat sie gemalt. Doch davon spricht sie nur sehr verhalten.






