Aktuelle Ausgabe
2012-20

Im ambulanten Kinderhospizdienst Paderborn/Höxter engagieren sich viele Ehrenamtliche

Die Familien kranker Kinder begleiten

Paderborn. Der ambulante Kinderhospizdienst in Paderborn/Höxter begleitet Familien, in denen Kinder an einer unheilbaren und lebensverkürzenden Krankheit leiden.  

von Richard Schleyer 

Seit vier Jahren vermittelt der Verein in Paderborn ehrenamtliche Helferinnen, die Eltern stundenweise entlasten, mit den unheilbar kranken Kindern oder deren Geschwistern etwas unternehmen oder auch sonst den Müttern und Vätern zur Seite stehen. 39 -Ehrenamtliche engagieren sich für diese Aufgabe im Verein, 27 davon wohnen im Paderborner Umfeld, zwölf kommen aus dem Kreis Höxter. Dort fand jetzt erstmals ein Befähigungskurs statt, in dem sich interessierte Frauen ein halbes Jahr lang in Wochenendkursen für ihre Aufgabe im ambulanten Kinderhospizdienst ausbilden ließen.

Jetzt hoffen die hauptamtlichen Koordinatorinnen des Vereins, dass sich auch Familien aus dem Kreis Höxter melden, damit die neuen Ehrenamtlichen des Vereins zum Einsatz kommen. Die ausgebildete Gemeindereferentin Odilia Wagener ist halbtags für den Paderborner Verein tätig. Wie sie erklärt, werden die Kontakte zu den Eltern oft über Ärzte und Kindergärten vermittelt. „Viele betroffene Familien hören auch über Bekannte und andere Eltern kranker Kinder von uns.“ Trifft eine Anfrage ein, schauen die Koordinatorinnen nach, wer ihrer Ehrenamtlichen für die Aufgabe infrage käme. 

Meist sind solche Begleitungen längerfristig angelegt. Die Lehrerin Heike Hentschel etwa besucht ihre Familie schon über drei Jahre. Deren jüngerer Sohn ist elf Jahre alt und leidet an einer unheilbaren Stoffwechselkrankheit. Das quirlige Kind sitzt im Rollstuhl und ist rund um die Uhr auf Betreuung angewiesen. Das bringt für die Eltern hohe Anforderungen mit sich; und der ältere Sohn muss notgedrungen zurücktreten. „Unser Blick richtet sich mindesten ebenso stark auf die Geschwisterkinder wie auf die kranken!“, betont Odilia Wagener. So gehen Heike Hentschel und eine Koellegin mal mit dem Älteren scaten, veranstalten mit dem Jüngeren abenteuerliche Spiele oder trinken auch mal nur Kaffee mit der Mutter und hören sich deren Sorgen an. Jeden zweiten Samstag im Monat darf die Gastfamilie bestimmen, was sie mit dem dreistündigen Besuch anfängt.

Sicher wird dieser Junge einmal früh sterben. „Doch das bestimmt nicht das Leben in dieser Familie!“, zeigt sich Heike Hentschel freudig überrascht. „Die sprühen vor Lebensfreude. Sie wollen die Zeit, die ihnen miteinander bleibt, genießen!“ Das Wissen um Tod und Sterben steht bei der Arbeit der Ehrenamtlichen des ambulanten Kinderhospizdienstes zwar immer im Hintergrund, in ihrer Ausbildung haben sie das eigene Verhältnis zu Tod und Trauer abgeklärt. Monika Dücker jedoch betont: „Uns geht es nicht nur um Sterbe-, sondern um Lebensbegleitungshilfe.“ Die in Höxter in der Caritas, der Frauenpastoral und im Pfarrgemeinderat engagierte Frau will sich jetzt in ihrem Ruhestand auch im Kinderhospizdienst betätigen. „Bevor ich allein zu Hause sitze, tue ich lieber etwas Sinnvolles für andere“, bestätigt auch Hildegard Willecke, ebenfalls Rentnerin aus Höxter. 

Die Koordinatorinnen achten darauf, dass sich ihre Frauen nicht übernehmen. Der Einsatz geschieht immer nur stundenweise und einmal in der Woche oder auch nur zweiwöchentlich. Und für jede Familie sind zwei Ehrenamtliche eingeteilt. Das soll den Ehrenamtlichen helfen, sich abzugrenzen und sich nicht zu sehr mit den besuchten Familien und ihren Problemen zu identifizieren. Dies sei ihnen in der Ausbildung deutlich eingeschärft worden, erklärt Barbara Stiewe, die als Ehrenamtliche derzeit auf ihren ersten Einsatz wartet. 

Odilia Wagener würde sich wünschen, dass sich betroffene Familien beim Kinderhospizdienst nicht erst melden, wenn die Krankheit ihres Kindes in die letzte Phase eintritt, sondern schon, sobald sie die negative Diagnose für ihr Kind erfahren. „Das tut den Begleitern wie den Familien gut!“

Info

Ambulanter Kinderhospizdienst Paderborn/Höxter, Dessauer Str. 4, 33106 Paderborn, Telefon 0 52 51 / 3 98 87 98, E-Mail: paderborn@deutscher-kinderhospizverein.de

 

 


22.05.2012
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